Experten-Interview
mit Dr. med. Margret Passmann-Wolters,
Fachärztin für Plastische Chirurgie, Chirurgie
proaesthetic Klinik, Heidelberg
myBody: Frau Dr. Passmann-Wolters, wie entsteht eine sogennante Kapselfibrose und wie kann man sie erkennen?
Dr. Passmann-Wolters: Von einer Kapselfibro-
se spricht man, wenn sich das Narbengewebe oder das Gewebe, das sich nach einer Brustvergrößerung um das Implantat bildet, zusammenzieht. Dabei handelt es sich um eine Fremdkörperreaktion, durch die statt einer zarten, eine harte, bindege-
websartige Kapsel gebildet wird, welche meist durch das Fühlen von Verhärtungen und zum Teil starken Verformungen der Brust zu erkennen ist. Dann wird in der Regel das verhärtete Kapselgewebe operativ entfernt und die Brust mit einer neuen Implantateinlage versehen. Bislang gibt es keine eindeutigen Erkenntnisse, warum Kapselfibrosen in seltenen Fällen auftreten. Es wird vermutet, die Ursache lege in einer bakteriellen Entzündungsreaktion oder die Kapselfibrose sei eine Konsequenz anderer Komplikationen, wie etwa Nachblutungen.
myBody: Gibt es Indizien für ein erhöhtes Brustkrebsrisiko nach der Implantatsetzung oder Anzeichen, dass Silikon andere Folgeerkrankungen bedingt?
Dr. Passmann-Wolters: Moderne Röntgentechniken ermöglichen bei Untersuchungen zur Brustkrebsvorsorge auch für Frauen mit Implan-
taten genaueste Ergebnisse. Und bisher konnte kein Zusammenhang zwischen Brustimlantaten und Brustkrebs nachgewiesen werden. Auch Berichte über eine beeinträchtigte Stillfähigkeit oder ungünstige Einflüsse des Implantats auf die Fertilität (Fruchtbarkeit) einer Frau haben dem heutigen Kenntnisstand entsprechend keinerlei Gehalt. Wir empfehlen unseren Patientinnen nach der Brustvergrößerung einmal im Jahr eine Ultraschalluntersuchung durchführen zu lassen, damit potenzielle Unregelmäßigkeiten rechtzeitig bemerkt werden können. Da wir in der modernen Schönheitschirurgie ausschließlich hochwertige Silikon-
materialien mit einer ausgezeichneten biologischen Kompatibilität verwenden, treten aber Komplikationen hervorgerufen durch Silikon normalerweise nicht auf.
myBody: Worauf sollten Frauen, die sich für eine Brustvergrößerung entscheiden, speziell bei der Wahl des Arztes achten? Um beispiels-
weise Komplikationen auf ein Minimum zu reduzieren.
Dr. Passmann-Wolters: Ausschlaggebend ist zunächst die Speziali-
sierung des Arztes auf dem Gebiet der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie und seine operative Erfahrung. Wichtig ist aber auch ein Vertrauens-
verhältnis zwischen Arzt und Patient, um gemeinsam realistische Möglichkeiten abzustecken, die zu dem gewünschten Ergebnis führen.