Haartranplantation Die Lösung gegen Haarausfall?

Christopher Chrissostomou

Eine Haartransplantation ist dann sinnvoll, wenn der Patient unter irreversiblem Haarverlust leidet, jedoch noch über ausreichend Haare verfügt, um diese kahlen Stellen aufzufüllen.

Christopher Chrissostomou

Experten-Interview mit Christopher Chrissostomou (proaesthetic): Wir nehmen das derzeit modernste Verfahren gegen Haarverlust genauer unter die Lupe!

Die moderne ästhetische Medizin kann Patientinnen und Patienten mit innovativen und schonenden Verfahren zu ihrem Wunsch-Erscheinungsbild verhelfen. Eine der gefragtesten Behandlungen ist die Eigenhaartransplantation. Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen. Immer mehr Menschen möchten durch volles Kopfhaar ihre Lebensqualität erhöhen.

Aber was genau ist eine Haartransplantation eigentlich? Welche Varianten gibt es davon? Für wen ist sie geeignet und welche Kosten entstehen?

Diese Fragen – und viele mehr – beantwortet Christopher Chrissostomou, Arzt für ästhetische Medizin, Leiter der Haarabteilung der proaesthetic in Heidelberg und Experte für das Thema Eigenhaartransplantation, im persönlichen Interview.

myBody: Herr Chrissostomou, was genau wird unter dem Begriff Haartransplantation definiert?

C. Chrissostomou: Unter dem Begriff Haartransplantation versteht man das Verfahren der Köperhaar-Verpflanzung in haarlosen oder kaum behaarten Arealen, wie beispielsweise der Kopfhaut oder Bartregion. Bei einer Haartransplantation entnehmen wir Follikel (Haarwurzeln) aus dem Haarkranz des Patienten und verpflanzen diese an ausgedünnte oder kahle Stellen. Aufgrund dessen wird das Verfahren als „Eigenhaartransplantation“ bezeichnet, da ausschließlich Haarwurzeln entnommen werden, die vom Patienten bzw. der Patientin selbst stammen.“

myBody: Wie wird die Anzahl der möglichen Transplantate bestimmt?

C. Chrissostomou: „Das Spendearal muss vor einer Behandlung vermessen werden. Anhand der Durchschnitts-Dichte der Haare wird dann berechnet, wie viele Transplantate zur Verfügung stehen. Diese werden dann auf das zu verpflanzende Areal gleichmäßig verteilt.“

myBody: Es gibt zwei Möglichkeiten der Follikel-Entnahme für eine Haartransplantation: FUE und FUT. Was ist der Unterschied? Und welche ist besser?

C. Chrissostomou: „Bei der FUE-Technik (Follicular Unit Extraction) werden einzelne Grafts* entnommen. Bei der FUT-Methode (Follicular Unit Transplantation) wird ein Streifen entnommen, aus dem wir die Transplantate gewinnen. Das ist – kurz und knapp zusammengefasst – der Unterschied zwischen den beiden Behandlungsmöglichkeiten.

Welche der Verfahren nun besser geeignet ist, hängt von der individuellen Situation des Patienten selbst ab. Bis vor ein paar Jahren war die FUT-Technik weiter verbreitet, inzwischen ergänzen sich die beiden Verfahren. Bei proaesthetic richten wir uns gänzlich nach den Bedürfnissen und den aktuellen Haarausfall-Stadien unserer Patientinnen und Patienten. So wenden wir die FUE-Entnahme zum Beispiel bei Kurzhaar-Trägern an, weil das Spendeareal dafür kurz geschnitten werden muss. Das würde bei jemandem mit langen Haaren unangenehm auffallen.“

*Ein Graft ist das eigentliche Transplantat - also ein Gewebsstück mit Haut, Unterhaut-Fett und ein bis vier Haarfollikeln. Wie viele Grafts bei einer Haartransplantation eingesetzt werden, variiert von Patient zu Patient. Je nach Behandlungsbedarf können wenige hundert bis mehrere tausend Grafts transplantiert werden. Pro Sitzung werden davon bis zu 4.000 verpflanzt, in Einzelfällen auch mehr, je nach Spendeareal. Sobald alles gut abgeheilt ist, kann die nächste Sitzung erfolgen. Je nach individuellem Fall können zwei bis drei Sitzungen einer Haartransplantation notwendig sein, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.


myBody: Wann ist eine Haartransplantation sinnvoll?

C. Chrissostomou: „Eine Eigenhaartransplantation setzen wir dann ein, wenn der Patient unter irreversiblem Haarverlust an bestimmten Bereichen oder generell unter dünnem, lichtem Haar leidet und an anderer Stelle wiederum über ausreichend Haare verfügt, um diese aufzufüllen. Sofern also noch genug Resthaar zur Verpflanzung verfügbar ist, ist eine Haartransplantation kein Problem. Das bedeutet, dass bei einer Vollglatze andere Verfahren, wie beispielsweise die Mikrohaarpigmentierung (MHP), für eine visuelle Veränderung angewandt werden, da die Transplantation von Fremdhaaren nicht umsetzbar ist.

Aus medizinischer Sicht gibt es keine Altersgrenze für eine Haartransplantation. Da der Eingriff unter örtlicher Betäubung stattfindet, ist die Behandlung selbst für etwas ältere Patienten nicht belastend. Wichtig ist allerdings sowohl der moralische als auch ethische Aspekt. Wie in allen seriösen Fachkliniken konzentrieren wir uns bei der proaesthetic auf die Analyse der Ursache für den Haarverlust und beraten unsere Patienten individuell und ausführlich - unabhängig von ihrem Alter.“

myBody: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass den Patienten mit einer Haartransplantation geholfen werden kann?

C. Chrissostomou: „Die liegt bei etwa 95%. Für einen kleinen Anteil kommt eine Haartransplantation aus verschiedenen Gründen nicht infrage. Das finden wir bei der Beratung und Untersuchung des Patienten heraus.“

myBody: Angenommen, ich möchte eine Haartransplantation durchführen lassen: Worauf sollte ich bei der Klinikauswahl achten?

C. Chrissostomou: „Wichtig, um ein realistisches und zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen, ist vor allem die Kompetenz, Erfahrung und Expertise des Chirurgen. Eine gute Klinik zeichnet sich außerdem durch unverbindliche und ehrliche Erstberatungen aus, bei denen niemand zu einer Behandlung gedrängt wird, sowie durch ausführliche Tests im Vorfeld, um herauszufinden, ob und in welcher Form eine Haartransplantation das Richtige für den Patienten ist.“

myBody: Kommen wir nun zum eigentlichen Eingriff. Wie ist der Ablauf einer Haartransplantation?

C. Chrissostomou: „Die Erstberatung erfolgt durch einen unserer Haarberater. Dieser erhebt die Krankheitsgeschichte des Patienten, führt erste Untersuchungen durch, spricht mit dem Patienten über seine Vorstellungen und klärt ihn über die Behandlung auf. Bereits im Beratungsgespräch werden sowohl das genaue Spende- sowie Empfängergebiet als auch die Anzahl der Grafts bestimmt.

Anschließend mache ich als Haarchirurg die genaue Planung und führe dann den Eingriff durch. Haartransplantationen werden ambulant auf einem OP-Stuhl oder einer OP-Liege durchgeführt. Für die Entnahme der Grafts wird entweder die FUE- oder FUT-Technik angewandt. Die Dauer einer Haartransplantation kann zwischen zwei und acht Stunden variieren - je nach Ausprägung des Haarausfalls des jeweiligen Patienten.

Nach der Operation wird ein Verband angelegt, welcher für zwei Tage dort belassen werden sollte, um die Schwellung im Gesicht zu reduzieren. Eine Übernachtung in der Klinik ist nach einer Haartransplantation nicht notwendig.“

myBody: Was genau sollte nach einer Haartransplantation beachtet werden?

C. Chrissostomou: „Bereits am Folgetag der Haartransplantation sind Patienten wieder gesellschaftsfähig. Es kann ein leichter Wundschmerz auftreten, der im Alltag allerdings nicht weiter hinderlich ist. Die Kopfhautpflege sollte möglichst sanft gestaltet werden. Beispielsweise sollten auch Sonnenbäder oder sportliche Aktivitäten in der ersten Zeit vermieden werden. Selbst Klamotten, die über den Kopf gezogen werden müssen, können beim An- und Ausziehen Schmerzen auslösen und die Krusten an der Kopfhaut beschädigen. Hier sollten Patienten genau darauf achten, welche Kleidung am besten zum Überziehen geeignet ist.

Mit unserem Nachsorgeschema lösen sich die Krusten meist sechs bis neun Tage nach dem Eingriff ab. Selbst wenn es etwas länger dauern sollte, gibt es keinen Grund zur Beunruhigung, da der Heilungsprozess je nach Mensch und Alltagssituation verschieden ist. Das Ergebnis bleibt dauerhaft, da die Follikel aus einer Zone stammen, an der kein Haarausfall auftritt.“

myBody: Wann sind die Grafts nach der Haartransplantation fest verwachsen?

C. Chrissostomou: „Drei bis vier Tage nach der Transplantation sind sie bereits für die alltägliche Belastung geeignet. Die Wundheilung ist nach sieben bis zwölf Tagen abgeschlossen. Nach etwa zwei Wochen können die Patienten wieder Sport machen. Solange es nicht zu einer Verletzung mit nachhaltigen Schäden kommt, dauert es etwa drei bis vier Monate, bis die ersten Transplantate beginnen zu wachsen. In dieser Zeit wachsen die Haare in den entnommenen Arealen ebenso wieder nach - bei einigen Patienten schneller, bei anderen etwas langsamer.“

myBody: Entstehen durch eine Haartransplantation Narben?

C. Chrissostomou: „Ja, leider lässt sich dies nicht gänzlich vermeiden. Allerdings kommt es auch darauf an, mit welcher Methode die Grafts entnommen wurden. Bei der FUT-Technik (Streifen-Technik), kommt es zu einer länglichen Narbe am Hinterkopf, die allerdings sehr schmal ausfällt und meist vom umliegenden Haar verdeckt werden kann, sodass diese kaum bis gar nicht sichtbar ist. Wir achten bei der Versorgung der Patienten genau darauf, die Narben so unauffällig wie möglich zu gestalten.“

Der myBody® Klinikfinder - Zertifizierte Ärzte und Kliniken

Wir prüfen für Sie

  • Sicherheit
  • Transparenz
  • Service

Das könnte Sie auch interessieren