Fettabsaugung Möglichkeiten zur Behandlung mit Eigenfett

Die Gründe für einen Lipotransfer sind nicht nur ästhetischer Natur, sondern auch alters-, krankheits- oder verletzungsbedingt.

Dr. Michael Pees

Interview mit Dr. Michael Pees über das Potenzial des Lipotransfers

Das durch die Fettabsaugung entfernte Fett ist körpereigenes Gewebe. Dieses biologische Eigenfett ist hervorragend verträglich und somit für die Weiterverwendung optimal. Seit es die Liposuktion gibt, haben Ärzte mit dem Gedanken gespielt, das abgesaugte Fett an eine an Körperfett mangelnde Körperstelle zu transplantieren. Die Anfänge der Liposuktion verliefen jedoch beschwerlich und waren für die Patienten mit erheblichen Risiken verbunden. Erst 1983 erfand der französische Chirurg Dr. Illouz eine sichere Methode, Fett zu entfernen. Nur drei Jahre später fing Dr. Coleman in den USA an, eine Technik zu entwickeln, mit der Eigenfett unterspritzt werden kann. Coleman nannte sein Verfahren LipoStructure®, das noch heute angewendet wird. Der Lipotransfer ist derzeit trotzdem weitaus weniger bekannt als viele andere Methoden der Plastischen und Rekonstruktiven Chirurgie. Dennoch bietet die Eigenfetttransplantation erhebliche Vorteile und interessante Möglichkeiten. Welche das sind und andere wissenswerte Fragen zu diesem Thema beantwortet uns Dr. Michael Pees, Spezialist im Bereich Fettabsaugung an der Privatklinik proaesthetic in Heidelberg.

myBody: Was ist ein Lipotransfer?

Dr. Pees: Der Lipotransfer ist eine Eigenfetttransplantation, bei der Unterhautfettgewebe von einem Körperareal entnommen und an anderen Körperstellen wieder eingespritzt wird. Genau genommen handelt es sich um einen autologen Lipotransfer, weil für die Gewebsverpflanzung zuerst in der Spenderregion körpereigenes Fett mithilfe einer Liposuktion gewonnen wird. Für die Entnahme kommen nur die Körperregionen infrage, die über Fettdepots verfügen, das sind meistens Oberschenkel, Abdomen oder Hüften. Das Eigenfett wird an verschiedenen Arealen und aus unterschiedlichen Beweggründen unterspritzt. Das Ziel ist dabei, Volumen aufzubauen, sodass das Fett als biologisches Füllmaterial fungiert. Es hat aber nicht nur eine rein mechanische Füllfunktion, sondern verbessert durch die Kollagensynthese die Haut und durch die Ausschüttung von Wachstumsfaktoren die Mikrozirkulation.

myBody: Was sind denn die Anwendungsgebiete und -gründe für einen Eigenfetttransfer?

Dr. Pees: Die Gründe für einen Lipotransfer sind nicht nur ästhetischer Natur, sondern auch alters-, krankheits- oder verletzungsbedingt. Die Behandlungsfelder sind daher sehr vielfältig und in ihrer Gänze aufwendig zu beschreiben. Grob betrachtet kommt Eigenfett als Füllmaterial und zur Korrektur der Haut zum Einsatz. Als Füllmaterial können entweder größere Körperareale (Brust, Gesäß, Hüften etc.) geformt oder kleine Korrekturen (z.B. Lippenaufbau oder Faltenfilling) vorgenommen werden. Da mit dem Lipotransfer Konturen- und Volumenunregelmäßigkeiten behoben werden können, eignet sich das Verfahren hervorragend zur Verbesserung der Haut und wird bei der Behandlung von Narben eingesetzt. Es können sowohl Akne- als auch Verbrennungsnarben ausgebessert werden. Außerdem wird die autologe Fetttransplantation im Fall eines Weichteildefizits angewendet. Es handelt sich genau genommen um ein Gewebedefizit der Weichteile, wie Bindegewebe oder Muskeln, das durch Tumore, Traumata oder Operationen entstanden ist. Dieses fehlende Gewebe wird mit dem körpereigenen Fett ausgeglichen. Ein Lipofilling wird aber auch in der Genitalchirurgie und im Hals-, Nasen-, Ohrenbereich, z.B. für eine Stimmlippenvergrößerung, eingesetzt. Eine sehr häufige Anwendung findet das Verfahren jedoch in der Brustvergrößerung und -rekonstruktion. Es muss nicht immer auf Implantate zurückgegriffen werden. Der Einsatz von Eigengewebe hat gegenüber Implantaten den Vorteil, dass die Resultate natürlicher aussehen und keine großen Narben zurückbleiben.

myBody: Welche Vorteile hat eine Eigenfetttransplantation noch?

Dr. Pees: Neben den bereits genannten Vorteilen, die die Optik betreffen (kleinere Narben und natürlicheres Aussehen), ist das körpereigene Gewebe besser verträglich als körperfremdes Material. Eigenfettgewebe löst weder Allergien aus noch wird es vom Körper abgestoßen. Implantate haben häufig eine begrenzte Haltbarkeit und müssen nach einer gewissen Zeit operativ erneuert werden. Mit Eigenfett werden hingegen stabile Langzeitresultate und eine viel schnellere Heilungsdauer erzielt. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Fettzellen nicht wandern, da es zu einer Verbindung zwischen den Zellen kommt und das Fettgewebe dort anwächst, wo es injiziert wurde.

myBody: Für wen ist der Eingriff geeignet?

Dr. Pees: Ein Lipotransfer ist für alle volljährigen Patienten geeignet, die sich in einer gesunden körperlichen Verfassung befinden und ein stabiles Körpergewicht aufweisen. Jedoch sollte beachtet werden, dass es bei sehr schlanken Menschen schwierig ist, genügend Fettgewebe für größere Korrekturen (z.B. Po- oder Brustvergrößerung) zu entnehmen. Deshalb empfehlen wir, den Body-Mass-Index als Orientierungshilfe heranzuziehen, welcher bei Frauen nicht unter 23 liegen sollte. Abgesehen davon sollte eine Brustvergrößerung mit Eigenfett nur dann vorgenommen werden, wenn es innerhalb der Familie keine Fälle von Brustkrebserkrankungen gab. Natürlich dürfen sich Patientinnen weder in der Schwangerschaft noch in der Stillzeit befinden. Außerdem rate ich, vor dem Eingriff den Nikotinkonsum entweder ganz einzustellen oder zumindest zu reduzieren, da bei Rauchern häufiger Komplikationen nach und während einer Operation auftreten als bei Nichtrauchern.

myBody: Wie läuft eine Lipotransfer-Behandlung ab?

Dr. Pees: Zuerst wird eine präoperative Vorbereitung vorgenommen. Dabei wird geschaut, ob der Patient für den Eingriff überhaupt infrage kommt und inwieweit seine Erwartungen mit einem Lipotransfer erfüllt werden können. Anschließend werden die Patienten über die Operation aufgeklärt. Sollte sich der Patient für einen Eingriff entscheiden, folgt eine körperliche Untersuchung, bei der insbesondere die zu behandelnden Körperstellen genau angeschaut werden. Dies ermöglicht uns eine sorgfältige OP-Planung. Abschließend wird eine Fotodokumentation erstellt. Es können aber auch andere bildgebende Verfahren eingesetzt werden, wie die Mammographie oder Sonographie. Die Operation selbst wird in der Regel ambulant durchgeführt. Ein stationärer Aufenthalt ist meistens nicht notwendig. Zunächst werden die Areale markiert, an denen das Fett abgesaugt werden soll. Danach startet die Liposuktion. Das entnommene Fett wird gereinigt und zentrifugiert, bevor es in kleine Injektionsspritzen abgefüllt wird. Auf diese Spritzen werden feine Spezialkanülen gesteckt, mit denen das Fett portionsweise unter die Haut der Empfängerregion eingespritzt wird. Die Operation dauert circa ein bis zwei Stunden und erfolgt normalerweise unter Analogsedierung (Dämmerschlaf) mit Lokalanästhesie oder unter Vollnarkose. Nach dem Eingriff benötigt die abgesaugte Körperstelle eine Kompressionshose oder ein Kompressionsmieder. Auf die unterspritzten Körperareale wird wiederum ein Watteverband angebracht. Die Kompressionskleidung sollte mindestens vier bis sechs Wochen getragen werden. Während der Wundheilung sind die behandelten Bereiche für ein paar Tage geschwollen und es kann auch zu Blutergüssen kommen. Starke Schmerzen treten im Normalfall jedoch nicht auf. Die Nachsorge dauert einige Wochen und beinhaltet regelmäßige Kontrolltermine. Das Endergebnis ist üblicherweise nach drei Monaten zu sehen.

myBody: Können bei einer Eigenfetttransplantation Komplikationen auftreten?

Dr. Pees: Da beim Lipotransfer körpereigenes Gewebe verwendet wird und das Verfahren inzwischen sehr schonend ist, ist die Komplikationsrate vergleichsweise sehr gering. Dass es aber nach dem Eingriff zu Schwellungen und Blutergüssen kommt, ist völlig normal und zählt daher nicht zu den Komplikationen. Es können außerdem Empfindungsstörungen entstehen, die normalerweise nach maximal sechs Monaten wieder nachlassen oder verschwinden. Wie bei allen anderen Operationen sind auch hier Entzündungen, Infektionen und ein gestörter Wundheilungsprozess möglich. In diesem Fall erfolgt eine Behandlung mit Antibiotika. In sehr seltenen, extremen Fällen muss das entzündete Gewebe wieder entfernt werden. Sollte keine ausreichende Verbindung zwischen dem zugeführten und dem vorhandenen Fettgewebe entstehen, kann es zu Kalksicheln oder Ölzysten kommen. Dies tritt vor allem bei einem hohen Injektionsvolumen auf, da es dem Körper schwerfällt, größere Fettmengen an den lokalen Blutkreislauf anzuschließen. Deshalb garantiert eine flächenförmige Verteilung des Fettgewebes ein geringeres Risiko. Komplikationen, die zu Formproblemen oder gesundheitlichen Schäden geführt haben, gab es zum Glück noch keine.

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