Knirschen: Wenn die Zähne nachts Stress abbauen
Fast jeder fünfte Deutsche presst die Zähne nachts unbewusst aufeinander. Beim nächtlichen Zähneknirschen wirken mitunter Kräfte von über 100 Kilogramm. Nicht verwunderlich also, dass die Folgen von Bruxismus, so der Fachterminus, nicht selten fatal sind: Verschleiß der Zähne, Risse im Zahnfleisch, Überempfindlichkeit aber auch Kopf- und Kieferschmerzen sowie Kieferknacken gehören zu den unangenehmen Konsequenzen. Bleibt das Knirschen lange unbehandelt kann sich der Kiefermuskel auf Dauer sogar so vergrößern, dass sich die Gesichtskontur verändert.
Aber warum knirschen wir mit den Zähnen? Die unbewusste Kaumuskelaktivität, durch die Betroffene ihre Zähne stark aufeinanderpressen und mahlend hin und her bewegen, kann durch schlecht sitzende Füllungen und Kronen, Zahnfehlstellungen oder innere Anspannung und Stress bedingt sein. Nach heutigem Kenntnisstand handelt es sich meist um ein multifaktorielles Geschehen, bei dem auch Schlafstörungen, Alkohol, Koffein oder bestimmte Medikamente eine Rolle spielen können.
Wenn die Symptome auf nächtliches Knirschen hindeuten kann ein Zahnarzt unterschiedliche Therapieformen anwenden: Zunächst wird meist zu einer Aufbissschiene geraten. Sie schützt die Zähne vor Abrieb und entlastet gleichzeitig die Muskulatur. Abhängig von der Ursache des Knirschens kann die Behebung einer Zahnfehlstellung oder die Erneuerung des Zahnersatzes Abhilfe schaffen. Zusätzlich wird heute häufig auch Stressmanagement (z. B. Entspannungsverfahren oder Verhaltenstherapie) empfohlen.
Auch die Injektion von Botulinumtoxin, kurz Botox, kann vor allem in schweren Fällen mit einhergehender Kiefermuskelverhärtung die rettende Maßnahme sein. Das Nervengift stoppt die Reizübertragung im Muskel und hemmt die Nerven. So kann sich der Kiefer entspannen und das nächtliche Zähneknirschen geht zurück. Der Einsatz erfolgt jedoch in der Regel nur bei ausgeprägten oder therapieresistenten Fällen und gilt nicht als Standardbehandlung. Für eine dauerhafte Linderung sollten aber neben den körperlichen Symptomen unbedingt auch die emotionalen Auslöser wie Stress und Unruhe behandelt werden.
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