Viele Akademiker lassen Schönheitsoperationen vornehmen
Fast drei Jahre ist es nun her, dass ein Skandal in der Schönheitschirurgie international für Aufsehen sorgte. Die französische Firma Poly Implant Prothèse (PIP) lieferte weltweit minderwertige Brustimplantate aus, die unzähligen Frauen wieder entfernt werden mussten. Die Folge war ein verzerrtes Bild der ästhetisch-plastischen Chirurgie in der Öffentlichkeit. Schönheitsoperationen, das ist etwas für ungebildete, naive Menschen, die alles mit sich machen lassen, so eine weitläufige Meinung. Dass die Realität vollkommen anders aussieht zeigen neueste statistische Erhebungen.
Ende September stellte die DGÄPC (Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie) in Berlin die Ergebnisse ihrer Patientenumfrage von 2014 vor. Nach wie vor machen Brustvergrößerungen mit 15,4 Prozent den größten Anteil der ästhetisch-plastischen Eingriffe aus. Der Rückgang um 2,9 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr ist dabei aber nicht auf weniger Brustvergrößerungen zurückzuführen, sondern auf eine gestiegene Anzahl an Vergrößerungen mit Eigenfett. Dieser Anstieg könnte durchaus durch den Skandal beschleunigt worden sein. Die Umfrageergebnisse aber zeigen eines deutlich: Wer sich für eine Schönheitsoperation entscheidet, handelt weder unüberlegt, noch ist er ungebildet. Frauen überlegen im Schnitt 6,5 Jahre, bis sie sich einer Schönheitskorrektur unterziehen, Männer immerhin 5,3 Jahre. Das Durchschnittsalter beim ersten Eingriff liegt bei 41 Jahren und 35,4 Prozent aller Patienten verfügen über einen akademischen Abschluss. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ist dies eine Menge; hier liegt der Akademikeranteil bei 14 Prozent.
Die Vorstellung, nur naive, ungebildete Menschen würden sich ästhetischen Korrekturen unterziehen, erweist sich demnach als Klischeevorstellung. Die meisten Eingriffe lassen reife Menschen vornehmen, die vorher intensiv darüber nachgedacht haben. Auch wenn es bei der Zulassung und Qualität von Medizinprodukten keine Kompromisse und Entschuldigungen gibt, hatte der weltweit durch die Presse gegangene PIP-Skandal auch etwas Gutes; so sind sich die Experten einig: Das Qualitätsbewusstsein der Patienten sei deutlich gewachsen. Und ebenso die Sensibilität für die Herkunft der Produkte und ihre Sicherheit. Der Behandler steht hier in der Aufklärungspflicht.
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