DGPRÄC und VDÄPC Jahrestagung 2016 in Kassel
Vom 8. bis 10. September findet in Kassel die gemeinsame Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) mit der Vereinigung der deutschen Ästhetisch Plastischen Chirurgen (VDÄPC) statt. Die Tagungsleitung haben die Kasseler Chirurgen Prof. Dr. Ernst Magnus Noah (Noahklinik / Rotes Kreuz Krankenhaus Kassel) und Dr. Lutz Gruhl (Praxis für Plastische Chirurgie) inne. Unter dem Motto „Plastische Chirurgie: Kümmern, Kurieren – und Kommerz?“ werden sich rund 800 Plastische und Ästhetische Chirurgen neben fachlichen Innovationen auch den ethischen Fragen ihres Berufes stellen.
Zum Auftakt ihrer Jahrestagung 2016 lud die DGPRÄC heute zu einem Presselunch ein. Zunächst beschrieb Prof. Noah einleitend die Situation der ästhetisch-plastischen Chirurgie in ihrem Spannungsfeld zwischen Medizin und Ökonomie, in der sich das Fachgebiet stetig behaupten muss. Da Schönheitsoperationen zunehmend in der Öffentlichkeit Thema sind und oft auch in der Kritik stehen, sehen sich die Ärzte insbesondere in Hinblick auf den ästhetischen Aspekt ihrer Disziplin in einem permanenten Bestreben, „durch qualifizierte Aus- und Weiterbildung und kollegiale Kommunikation in diesem Spannungsfeld zu bestehen.“, so Prof. Noah. „Aufgabe der Weiterbildung ist es, neben dem chirurgischen Handwerk auch den Umgang mit Patienten zu vermitteln – nicht umsonst ist die ästhetische Chirurgie und deren Indikationsstellung verankerter Bestandteil der Weiterbildung“, verdeutlichte der Chefarzt aus Kassel und betonte dabei: „Mit unserem hauseigenen Ausbildungskonzept für die Ästhetik möchte ich auch Werte vermitteln und sicherstellen, dass die Fachärzte sich ihrer großen Verantwortung bewusst sind.“
Zur Sprache kam auch ein „dickes Problem“: Die Vergütung für körperstraffende Eingriffe nach Adipositas hat sich durch eine Änderung im DRG-System halbiert. DRG steht zu deutsch für „diagnosebezogene Fallgruppen“ und ist im Prinzip ein Klassifikationssystem für ein pauschaliertes Abrechnungsverfahren. „Hier wurde 2016 ein neues Krankheitsbild hinterlegt. Die L98.7 bezeichnet seither überschüssige und erschlaffte Haut und Unterhaut (nach Gewichtsverlust, bariatrische OP). Wird diese Hauptdiagnose gewählt, so halbiert sich der Erlös von Straffungsoperationen im Vergleich zu den Vorjahren“, erklärte Prof. Dr. Raymund Horch, Präsident der DGPRÄC, auf der Presseveranstaltung. Mit dem Defizit, dass die vorgenommenen Straffungsoperationen nicht nach ihrem Aufwand differenziert und bei den Krankenkassen abgerechnet werden können, „wächst der monetäre Druck auf Ärzte, derartige Eingriffe nicht mehr zu erbringen und die Versorgung ist gefährdet“, schloss Prof. Horch.
In Sachen Medizinproduktesicherheit erarbeitet die DGPRÄC aktuell ein verpflichtendes Implantatregister. Seit 2014 bemühe sie sich aktiv um die Einführung des Registers und habe der Politik einen ausgearbeiteten Entwurf vorgelegt. Mit der neuen Verordnung soll die Patientensicherheit gestärkt werden. Mit der bereits bestehenden Verpflichtung für einen Implantatpass, der eine rasche Rückverfolgung des Implantates im Falle einer Warnung oder eines Rückrufes gewährleistet, sei bisher nur ein Grundstock für ein zentrales Register gelegt. Die DGPRÄC macht darauf aufmerksam, dass international Daten gesammelt und erfasst werden müssen, um Komplikationen und Probleme frühzeitig erkennen zu können. Und sie hofft, „dass die Politik dieses für die Patientenpolitik so elementare Thema noch in dieser Legislaturperiode abschließen wird.“
Nach dem Presselunch und der feierlichen Kongresseröffnung war das wissenschaftliche Programm schon in vollem Gange. Die Vorträge, Symposien und Workshops widmen sich angefangen bei der interdisziplinären Versorgung von Kopf- und Halstumoren über den Stellenwert regenerativer Therapieansätze in der Mammachirurgie und narbensparenden Techniken bis hin zu aktuellen Verfahren in der Chirurgie der Brandwunde dem vielfältigen Themenspektrum der ästhetischen, plastischen und rekonstruktiven Säulen des Fachs. Referenten sind anerkannte Spezialisten, die mit ihren wissenschaftlichen Beiträgen zu einem regen Kenntnis- und Erfahrungsaustausch vorantreiben sollen.
Bereits in den dem Kongress vorgeschalteten Operationskursen demonstrierten renommierte nationale und internationale Operateure ihre Techniken live aus den OP-Sälen. Auf dem Programm stand beispielsweise die Boomchirurgie „Glutealaugmentation“ (Povergrößerung). R. Alexander Aslani stellte eine kombinierte Methode aus Eigenfett und Po-Implantaten vor, mit der Motivation, seine Kollegen offenen für diesen Eingriff zu machen, der seiner Erfahrung nach sehr beeindruckende Ergebnisse sowie eine sehr hohe Patientenzufriedenheit erzielt. Prof. Dr. Per Hedén, der international führende Experte auf dem Gebiet der Brustchirurgie, präsentierte eine „Mastopexie mit Orbishape“, d.h. eine Bruststraffung, bei der die Form der neuen Brust im unteren Bereich mit einer Art Silikonschlinge unterstützt bzw. stabilisiert wird. Dr. Falk-Ziya Dagtekin (Isartal Praxis-Klinik München) wiederum zeigte eine einfache Methode, um eine Gesichtsverjüngung in Dämmerschlaf zu erreichen: Stirnlift/Augenbrauenlift, Oberlidstraffung und abschließend eine Fractora high/medium power Behandlung mit Einschleusung von PRP.
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