Nachtlinsen Nachtlinsen korrigieren die Sehschärfe über Nacht

Toam Katz M.D.  - Wirkungsweise und Eignung der Nachtlinsen

Expertengespräch mit Toam Katz M.D. über die Vor- und Nachteile der Nachtlinsen und ihre Anwendungsgebiete.

Mithilfe von Nachtlinsen können bestimmte Sehschwächen über Nacht korrigiert werden. Bereits nach einigen Stunden ist die Funktionstüchtigkeit des Auges bzw. die Sehschärfe ohne Zuhilfenahme von Tageslinsen oder einer Brille in der Regel verbessert. Im Gespräch mit myBody erklärt Facharzt für Augenheilkunde, Toam Katz M.D., die Wirkungsweise und Eignung der Nachtlinsen und informiert über das Pro und Kontra ihrer Anwendung.

WAS SIND NACHTLINSEN?

myBody: Was kann man sich unter Nachtlinsen vorstellen und worin unterscheiden sie sich von den gängigen Kontaktlinsen?

Toam Katz: Nachtlinsen oder auch OK-Linsen, werden vor der Nachtruhe ins Auge eingesetzt und während des Schlafens getragen. Im Schlaf liegen die Nachtlinsen sanft auf und verändern bzw. formen die elastische Hornhaut. Der leichte Druck, welcher von den Linsen auf das Auge ausgeübt wird, gibt der Hornhaut die passende Form, so dass nach dem Aufstehen eine scharfe Sicht ohne Sehhilfe über den Tag hinweg gewährleistet werden kann. Die schonende Methode eignet sich ausschließlich zur temporären und reversiblen Korrektur von Kurzsichtigkeit (Myopie) und Hornhautverkrümmung (Astigmatismus). Nachtlinsen sind formstabil, sauerstoffdurchlässig und etwas größer im Durchmesser als Tageslinsen.

KANN JEDER NACHTLINSEN NUTZEN?

myBody: Bei welchen Fehlsichtigkeiten können Nachtlinsen therapeutisch eingesetzt werden?

Toam Katz: Nachtlinsen sind lediglich zur Korrektur von Kurzsichtigkeit bis -5 Dioptrien und geringer Hornhautverkrümmung bis -1,5 Dioptrien geeignet. Liegt eine Kurzsichtigkeit vor ist der Augapfel zu lang. Dadurch wird das Licht vor der Netzhaut gebündelt, so dass die Sicht in die Ferne beeinträchtigt wird. Bei einer Hornhautverkrümmung wiederum kann das Licht aufgrund von Unebenheiten nicht punktförmig auf der Netzhaut gebündelt werden. Dadurch kommt es zu einer strichförmigen Abbildung und Gegenstände werden "verzerrt" wahrgenommen. Mithilfe von OK-Linsen wird die Zellschicht verschoben, die Hornhaut abgeflacht und der Brechungsfehler korrigiert. Zur Behandlung von anderen Fehlsichtigkeiten wie Alterssichtigkeit (Presbyopie), Weitsichtigkeit (Hyperopie) sowie von stärkeren Kurzsichtigkeiten und Hornhautverkrümmungen sind Nachtlinsen nicht geeignet.

GIBT ES „TRAGERICHTLINIEN“?

myBody: Gibt es bestimmte Vorgaben hinsichtlich der Tragedauer etc.?

Toam Katz: Für eine effektive Hornhaut-Formung ist eine Mindesttragezeit von sechs Stunden pro Nacht empfehlenswert. Allerdings sollten die Linsen unter keinen Umständen länger als acht Stunden aufliegen, da sonst keine ausreichende Sauerstoffversorgung der Augen bzw. der Hornhaut gewährleistet werden kann. Denn zum einen reduziert sich die allgemeine Sauerstoffzufuhr bereits mit dem Schließen der Augenlider im Schlaf, zum anderen wird dies durch die Nachtlinsen - trotz sehr hoher Sauerstoffdurchlässigkeit - verstärkt. Sich als Konsequenz ergebende Schäden können sich in Form einer verminderten Sehschärfe durch Aufquellung oder einer schmerzhaften Epithelablösung äußern. Bei korrekter Pflege und Handhabung müssen Nachtlinsen erst nach rund 12 Monaten ersetzt werden.

Kurzzeit- oder Langzeiteffekt?

myBody: Wie lange kann man in etwa mit einer scharfen Sicht rechnen?

Toam Katz: Die Wirkungsdauer bzw. die Nachhaltigkeit des Formungseffekts der Nachtlinsen kann nicht pauschal bestimmt werden. Laut Herstellerangaben hält der Effekt bis zu 16 Stunden an. Grundsätzlich ist die Wirkungsdauer individuell und daher nicht sicher vorhersagbar. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich die Hornhaut schneller zurückbildet wie erwartet. Daher kann ich das Mitführen von Ersatzkontaktlinsen oder einer Ersatzbrille für den Fall der Fälle nur empfehlen.

Weitere Anwendungsregeln?

myBody: Was muss nebst der begrenzten Tragedauer hinsichtlich der korrekten medizinischen Verwendung beachtet werden?

Toam Katz: Noch vor der eigentlichen Anwendung ist eine eingehende augenärztliche Untersuchung und Beratung erforderlich, um die Augengesundheit und Topographie der Hornhaut und damit die Eignung zu bestimmen. Spricht nichts gegen die Verwendung von Nachtlinsen können sie anschließend von einem Spezialisten individuell angepasst werden. In Sachen Hygiene gelten für Nachtlinsen dieselben Regeln wie für Tageslinsen. Vor jedem Auf- und Absetzen sollten die Hände gründlich gewaschen werden. Darüber hinaus müssen die Linsen mit einer speziellen Reinigungslösung benetzt und gereinigt werden. Nur so lassen sich schmerzhafte und gefährliche Infektionen des Auges vermeiden. Zusätzlich wird durch die Benetzung der Tragekomfort entscheidend gesteigert. Die Nachtlinsen sollten stets in einer der Linsenart entsprechenden Aufbewahrungslösung gelagert, der Linsenbehälter regelmäßig gewechselt und die enthaltene Kombilösung täglich ausgetauscht werden.

Vor- und Nachteile

myBody: Welche konkreten Vor- und Nachteile können Sie für die Nachtlinsen nennen?

Toam Katz: Wie überall, gibt es Vor- und natürlich auch Nachteile. Bei der Anwendung von Nachtlinsen sollte jedoch jeder die verschiedenen Aspekte für sich abwägen.

Zu den Vorteilen zählen:

  • die relativ leichte Anwendung der Nachtlinsen
  • das ausschließliche Tragen über Nacht – beispielsweise für Sportler wie Schwimmer förderlich
  • die bessere Verträglichkeit als bei normalen Tageslinsen
  • die Unabhängigkeit von Sehhilfen über den Tag hinweg

Zu den Nachteilen zählen:

  • das tägliche Auf- und Absetzen der Linsen
  • die eingeschränkten Anwendungsgebiete
  • die absolut korrekte hygienische Handhabung
  • die Notwendigkeit einer regelmäßigen augenärztlichen Betreuung
  • der kurzzeitige Effekt - die Wirkungsdauer ist individuell unterschiedlich und daher nicht pauschal vorhersagbar
  • eine Ersatzbrille ist daher trotzdem notwendig
  • der Kostenfaktor von rund 500 Euro im Jahr

Schlusswort und Fazit

myBody: Wie lautet Ihr persönliches Fazit zu Nachtlinsen?

Toam Katz: Nachtlinsen können durchaus eine Alternative zu einer Brille oder herkömmlichen Tageslinsen sein. Jedoch stellen sie keine dauerhafte Lösung dar, da die Belastung für das Auge zu groß werden kann. Ein nachhaltigeres und bewährtes Verfahren ist beispielweise eine Sehschärfenkorrektur mittels Laser wie eine LASIK. Die Zuverlässigkeit der modernen Methoden und ihre medizinische Sicherheit bieten eindeutige Vorteile. Auch die Kosten spielen eine tragende Rolle. Auf lange Sicht gesehen ist eine Augenlaserkorrektur deutlich preiswerter wie die jahrelange Anwendung von Nachtlinsen, welche eine jährliche Investition von rund 500 Euro erfordert. Zusätzlich kommen Ausgaben für Pflegezubehör und ggf. augenärztliche Kontrolltermine hinzu.

Über Toam Katz M.D.

Toam Katz M.D. ist der medizinische Direktor von CARE Vision Deutschland. In dieser Position ist er für die Aus- und Weiterbildung, Betreuung und Unterstützung der CARE Vision Augenärzte verantwortlich. Herr Katz hat bereits tausende von Augenlaser-Behandlungen durchgeführt und ist ebenso Spezialist für Eingriffe an der Hornhaut sowie Linsenimplantationen bei Patienten, die an Katarakt oder Fehlsichtigkeit leiden.

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