Haarpigmentierung Die Alternative zur Haartransplantation bei ganzflächiger Glatzenbildung

Bei einer Haarpigmentierung werden Farbpigmente in die Haut eingebracht – ich sehe darin eine effektive Lösung bei lichtem Haar.

Dr. (Univ. Var.) Edip Rojan Bicer

Interview mit Dr. Edip Rojan Bicer und Claudia Rottmann über das Verfahren der Haarpigmentierung bei ganzflächiger Glatzenbildung

Viele Menschen leiden unter lichter werdendem Haar und kahlen Stellen. Die helle Kopfhaut schimmert durch, das Haar wirkt dünn, sein Träger älter und das Selbstbewusstsein leidet. Glücklicherweise bietet uns die moderne ästhetische Medizin zahlreiche Möglichkeiten, diesem Schicksal zu trotzen. Eine dieser Optionen ist die Haarpigmentierung. Was genau sich dahinter verbirgt, erzählen uns Dr. Edip Rojan Bicer, Arzt und Experte im Bereich Haarchirurgie und Claudia Rottmann, Haarpigmentistin und Beraterin für Haarpigmentierung der proaesthetic Heidelberg.

myBody: Dr. Bicer, was ist eine Haarpigmentierung?

Dr. Bicer: Bei einer Haar- beziehungsweise Kopfhautpigmentierung platzieren wir mit feinen Nadeln Farbpigmente in die Haut und sorgen so für eine optische Haarverdichtung. Ich rate meinen Patientinnen und Patienten, dieses Verfahren eher mit einem Permanent Make-up als mit einer Tätowierung zu vergleichen, da die Farbe in die zweite und nicht in die dritte Hautschicht eingearbeitet wird. So entsteht ein optischer Effekt: Winzig kleine Pigmente erzeugen im Gesamten eine große visuelle Wirkung. Die Kopfhaut wird dabei auf natürliche Weise abgedunkelt, reflektiert weniger und bildet keinen auffälligen Kontrast zum ausgedünnten Kopfhaar. Mein Rat an dieser Stelle: Die Methode ist unproblematisch in der Anwendung, mit verhältnismäßig geringem Aufwand verbunden und kommt ganz ohne chirurgischen Eingriff aus.

myBody: Frau Rottmann, warum wird eine Pigmentierung eigentlich nur in die zweite Hautschicht eingebracht?

C. Rottmann: Zum einen kann es sein, dass sich der Geschmack der Patientinnen und Patienten im Laufe der Zeit verändert. Mein Hinweis an dieser Stelle: Da die Pigmentierung verstoffwechselt wird, ist das unproblematisch und das Ergebnis kann jederzeit angepasst werden. Tätowierungen werden in die dritte Hautschicht gestochen und halten dort ein Leben lang. Allerdings verändern sie sich mit der Zeit, verlaufen und können einen blau-grünen Schimmer annehmen. Ich empfehle daher, dies bei der Kopfhautpigmentierung zu vermeiden. Im Alter kann sich zudem die natürliche Haarfarbe verändern. Mein Rat: Wenn Pigmente dauerhaft angelegt wären, würden sie bei Farbveränderungen deutlich hervorstechen.

myBody: Für wen ist eine Haarpigmentierung geeignet?

Dr. Bicer Ich empfehle die Haarpigmentierung für Männer und Frauen, die unter Haarausfall leiden. Die Haarlänge ist dabei egal. Die Behandlung lässt das Haar im Gesamten dichter erscheinen. Wir können sowohl Geheimratsecken als auch Tonsuren und Glatzen auffüllen und lichtes Haar verdichten. Außerdem lassen sich Narben, auf denen keine Haare mehr wachsen, gut kaschieren.

C. Rottmann: Ich möchte an der Stelle betonen, auch bei Frauen ist eine Haarpigmentierung sinnvoll! Besonders viele Frauen ab vierzig leiden unter immer dünner werdendem Haar. Dies hat viel mit der Hormon-Veränderung durch anstehende Wechseljahre zu tun. Diesen Patientinnen können wir durch eine Haarpigmentierung zu vollem und dichtem Haar zurück verhelfen.

myBody: Was muss bei einer Haarpigmentierung beachtet werden?

Dr. Bicer Wichtig ist die exakte Bestimmung der zu pigmentierenden Zone und die Wahl der richtigen Abstände, damit es am Ende natürlich aussieht. Dafür ist auch die Farbauswahl entscheidend. Sie muss zwar die helle Kopfhaut kaschieren, darf aber auch nicht zu dunkel sein, das würde sonst auffallen. Je nach Haarfarbe und -typ wählen wir die passende Farbe aus. Mein Tipp: Eine sorgfältige, individuelle Abstimmung ist hier entscheidend für ein natürlich wirkendes Ergebnis. Ich empfehle in der Regel, die Behandlung schrittweise zu planen, da Patienten meist in bis zu vier Sitzungen das gewünschte Resultat erreichen, wobei dies je nach Individuum variieren kann. Eine Rasur ist für die Haarpigmentierung nicht notwendig, auch wenn viele Menschen das annehmen. Ebenso gibt es keine Nachbehandlung, da der Eingriff weder Wundgebiet noch Narben hinterlässt. Sie sind nach einer Haarpigmentierung sofort wieder gesellschaftsfähig.

myBody: Ist das Ergebnis der Haarpigmentierung von Dauer?

Dr. Bicer Nein. Sie ist allerdings auch nicht schlechter. Die beiden Methoden ergänzen und unterstützen sich. Mit einer Transplantation bringen wir Haare an kahle Stellen, mit der Pigmentierung erhöhen wir optisch die Haardichte. Mein Rat: Ob das eine oder andere Verfahren – oder eine Kombination aus beiden – geeignet ist, sollte immer individuell und nach genauer Untersuchung entschieden werden.

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