Moderne Lipödem-Therapie Nachhaltige Behandlungsergebnisse dank Liposuktion per Laserlipo

Die Absaugung des erkrankten Fettgewebes bringt praktisch immer eine starke Verbesserung, oft lässt sie die Beschwerden sogar ganz verschwinden.

Sotiria Theodosiadi

Experten-Interview mit der plastischen Chirurgin und Lipödem-Expertin Sotiria Theodosiadi

Sotiria Theodosiadi ist Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie mit jahrzehntelanger Erfahrung. Tätig ist sie im Berliner Behandlungszentrum des deutschlandweit vertretenen S-thetic-Verbunds. Eine ihrer Spezialisierungen ist die Therapie von Lipödemen mit Hilfe einer Liposuktion (Fettabsaugung). Sie setzt dafür eine besondere Methode ein, die Laserlipolyse, auch Laserlipo genannt. Mit dieser ausgereiften Kombination von medizinischem Laser und Fettabsaugung kann sie Frauen, die von dem tückischen Krankheitsbild betroffen sind, zu Schmerzfreiheit, neuer Lebensqualität und einem ästhetischeren Körperbild verhelfen. Im Interview erläutert die Ärztin ausführlich ihre spezielle Absaugmethode.

myBody: Frau Theodosiadi, wie kommt es, dass Sie als plastische Chirurgin sich besonders auf die Behandlung von Lipödemen spezialisiert haben?

Sotiria Theodosiadi: Ich habe mich auf die Behandlung des Lipödems spezialisiert, weil sie aus meiner Sicht eine der zentralen Aufgaben der plastisch-ästhetischen Chirurgie erfüllt: Gesundheitliche Störungen so beheben, dass die behandelte Person neue Lebensqualität gewinnt und mit dem Ergebnis auch optisch zufrieden sein kann. Gerade beim Lipödem sehe ich täglich, wie stark das Leiden den Alltag beeinflusst. Deshalb ist es für mich besonders erfüllend, hier helfen zu können.

Ich empfehle meinen Patientinnen immer, die Erkrankung ernst zu nehmen, da die Absaugung des erkrankten Fettgewebes in vielen Fällen zu einer deutlichen Verbesserung führt – oft verschwinden die Beschwerden sogar vollständig. Mein Rat ist deshalb: Nach einer gesicherten Diagnose nicht zu lange zu warten. Je früher wir behandeln können, desto besser sind häufig die Voraussetzungen. Es freut mich außerdem sehr, dass das Lipödem inzwischen deutlich mehr öffentliche Aufmerksamkeit erhält und der Nutzen der Liposuktion auch von den offiziellen Entscheidern des Gesundheitssystems anerkannt wird.

myBody: Sie setzen für die Liposuktion von Lipödemen ja eine besondere Methode ein, die sogenannte Laserlipo. Dabei handelt es sich um eine modifizierte Laserlipolyse, also eine laserunterstützte Liposuktion. Wodurch zeichnet sich Ihre Absaugmethode aus?

Sotiria Theodosiadi: Bei der Lipödem-Behandlung gibt es für mich drei entscheidende Ziele. Erstens muss das Fettgewebe in der betroffenen Region möglichst vollständig verschwinden. Nur so gehen die Beschwerden nachhaltig zurück. In der Medizin nennen wir das subtotale Ektomie. Zweitens ist es mir besonders wichtig, das oft beeinträchtigte Lymphgefäßsystem zu schonen. Und drittens lege ich großen Wert auf ein ästhetisch gutes Hautbild nach dem Eingriff. Mit der Laserlipolyse lässt sich diese letzte Anforderung meiner Erfahrung nach besser verwirklichen als mit anderen Absaugtechniken.

myBody: Wodurch zeichnet diese subtotale Ektomie sich aus?

Sotiria Theodosiadi: Die subtotale Ektomie ist eine radikale Absaugung, wie wir das auch nennen. Sie ist bei einem Lipödem aus meiner Sicht unverzichtbar. Die Anforderung an die Liposuktion ist bei einem Lipödems nämlich ganz anders, als man es von rein ästhetisch motivierten Eingriffen her kennt. Bei solchen Figurformungen geht es allein um das Erzielen einer ansprechenden Kontur.

Bei einem Lipödem entferne ich bis auf eine dünne Übergangsschicht zur Muskulatur nahezu das gesamte erkrankte Fettgewebe. Andernfalls bleiben Beschwerden oder sie kommen irgendwann zurück. Das „sub" bedeutet, dass bewusst eine dünne Fettschicht erhalten bleibt – es handelt sich also nicht um eine vollständige Fettentfernung. Unterstützt werde ich dabei von speziellen Vibrationskanülen, die das Fett besonders gleichmäßig lösen.

myBody: Das soll wahrscheinlich auch die Lymphgefäße schonen, oder?

Sotiria Theodosiadi: Ganz genau. Das Lymphgefäßsystem ist bei Lipödem-Patientinnen meist angegriffen, weil der Gewebedruck der aufgeblähten Fettzellen ihm zusetzt. Die feinsten dieser Gefäße sind weit unter einem Millimeter dick. Das ist der Grund, warum ich bei der Lipödem-Absaugung die Absaugkanüle achsengerecht führe, also parallel zu den Lymphgefäßen. Das minimiert deren Belastung.

myBody: Sie sprachen außerdem davon, dass der Laser gut für das Hautbild sei.

Sotiria Theodosiadi: Die positive Wirkung des Lasers auf den Hautmantel ist ein Benefit, den wir schon von ästhetisch motivierten Liposuktionen kennen. Für Lipödem-Patientinnen ist der Effekt besonders interessant, weil die Haut unter einem Lipödem sehr oft leidet. Sie wird wellig, hart und unelastisch.

Der medizinische Laser, den ich verwende, wirkt mit einer seiner Wellenlängen auf das Hautgewebe ein. Genauer gesagt steuert er die Zellstrukturen des Bindegewebes an, die Fibroblasten. Er ruft dort bewusst kleine Läsionen hervor, also Verletzungs-Spots. Das regt die Fibroblasten zur Reparatur des Kollagengerüsts an. Sie produzieren so in den Wochen und Monaten nach der Laser-Intervention mehr Kollagenfasern. Ich beobachte immer wieder, dass sich die Haut dadurch deutlich besser an das reduzierte Gewebe anpasst und gleichzeitig straffer und elastischer wird.

myBody: Und das bemerken die operierten Patientinnen?

Sotiria Theodosiadi: Ja, eindeutig. Viele meiner Patientinnen berichten mir, dass sie sich nicht nur körperlich deutlich leichter fühlen, sondern sich auch wieder wohler in ihrer Haut fühlen. Das schöne Hautbild einer der Gründe, warum viele Frauen unsere Methode der Laserlipo innerhalb der Lipödem-Community weiterempfehlen.

myBody: Sie folgen bei der Lipödem-Behandlung außerdem dem sogenannten Zonen-Konzept. Was ist darunter zu verstehen?

Sotiria Theodosiadi: Dabei handelt es sich um einen weiteren Baustein unseres Ansatzes, die Liposuktion für die Patientinnen so verträglich wie möglich zu machen. Die Frauen sind durch ihre Erkrankung schließlich schon belastet genug. Das Zonen-Konzept bedeutet, dass ich ausgeprägtere Lipödeme nicht auf einmal operiere, sondern Zone für Zone im Abstand von mindestens einigen Monaten.

Ich empfehle, den zeitlichen Abstand gemeinsam anhand des persönlichen Lebensrhythmus zu planen. So können wir beispielsweise zunächst die Oberschenkel und später die Unterschenkel behandeln. Die Eingriffe finden bei uns in der Regel unter Lokalanästhesie statt. Aus meiner Erfahrung erholen sich die Patientinnen dadurch deutlich schneller als nach einer Vollnarkose.

myBody: Eignet sich die Laserlipo mit Zonen-Konzept für alle Lipödem-Patientinnen?

Sotiria Theodosiadi: Prinzipiell schon. Am besten lässt sich die Behandlung durchführen, wenn das Lipödem nicht allzu weit fortgeschritten ist. Dann ist die Haut meist noch in besserem Zustand und die Laserfaser zeigt einen umso besseren Effekt. Bei weit fortgeschrittenen Lipödemen, wo sehr viel abgesaugt werden muss, braucht es zusätzlich zur Liposuktion meist noch eine chirurgische Hautstraffung. Der Hautmantel ist dann so erschlafft, dass bestimmte Anteile davon weggenommen werden müssen, sonst „hängt“ die Haut und macht Folgebeschwerden.

Zudem ist bei einer so ausgeprägten Erkrankung eine ganze Reihe aufeinanderfolgender Eingriffe erforderlich. Mein Rat lautet deshalb: Nach einer eindeutigen Diagnose möglichst nicht unnötig abzuwarten. Je früher behandelt wird, desto besser lassen sich oftmals funktionelle und ästhetische Ergebnisse erzielen. Ich empfehle außerdem, vor einer Operation – wenn sinnvoll – das Körpergewicht zu optimieren. Das bespreche ich selbstverständlich individuell mit jeder Patientin. Meiner Erfahrung nach können grundsätzlich alle Lipödem-Patientinnen von der Laserlipolyse profitieren.

myBody: Früher empfahl man Lipödem-Patientinnen oft, es erst so lange wie möglich mit nichtoperativen Maßnahmen zu versuchen.

Sotiria Theodosiadi: So ist es leider. Die sogenannte konservative Therapie mit Kompressionswäsche, physikalischer Entstauungstherapie, Bewegungskonzepten und Ernährungsumstellung hat natürlich ihre Berechtigung. Aber sie kann das Erscheinungsbild kaum verbessern, lediglich einer Verschlimmerung vorbeugen. Viele meiner Patientinnen betonen nach der OP, dass sie viel früher gekommen wären, wenn sie gewusst hätten, wie erleichternd die Liposuktion sich bei ihnen auswirkt. Für mich als plastische Chirurgin ist es natürlich wunderbar zu hören, dass ich dazu meinen Beitrag leisten konnte.

myBody: Vielen Dank für das Gespräch.

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