Haarausfall bei Frauen Jede dritte Frau ist betroffen
Ich erlebe häufig, dass Haarausfall bei Frauen noch ein Tabuthema ist – dabei gibt es mittlerweile wirkungsvolle Behandlungen.
Dr. (Univ. Var.) Edip Rojan Bicer
Experteninterview mit Dr. Edip Rojan Bicer über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bei weiblichem Haarausfall
Über krankhaften Haarausfall bei Männern und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten wird zunehmend offen gesprochen. Immer öfter äußern sich auch betroffene Prominente in Interviews zu Ihrer Haartransplantation und dem damit einhergehenden neuen Lebensgefühl.
Dagegen findet das Thema Haarausfall bei Frauen deutlich weniger Aufmerksamkeit. Dabei leiden auch viele Frauen im Laufe Ihres Lebens unter dem krankhaften Verlust ihrer Haare. Wir haben uns daher mit Dr. Bicer (Arzt für Haartransplantationen mit Spezialisierung auf den Eigenhaartransfer) von der Schönheitsklinik proaesthetic in Heidelberg über den Haarausfall bei Frauen unterhalten.
myBody: Herr Dr. Bicer, leiden Frauen denn genauso häufig unter krankhaftem Haarverlust wie Männer?
Dr. Bicer: Grundsätzlich sind Männer häufiger von krankhaftem Haarausfall betroffen, etwa acht von zehn Männer müssen sich damit in Ihrem Leben auseinandersetzen. Bei Frauen ist der Anteil zwar geringer, aber es trifft auch hier etwa jede Dritte im Laufe des Lebens.
Doch obwohl es eine große Anzahl an betroffenen Frauen gibt, wird über den weiblichen Haarausfall und die dazugehörigen Behandlungsmöglichkeiten öffentlich noch nicht so offen gesprochen wie über den Haarausfall bei Männern. Mein Hinweis an dieser Stelle: Betroffene Frauen sollten frühzeitig eine fachärztliche Beratung in Anspruch nehmen, da es heute zahlreiche individuelle Behandlungsmöglichkeiten gibt.
Ich nehme hier in unserer Klinik aber eine Veränderung wahr. Waren es in der Vergangenheit überwiegend Männer, die zu uns zur Haarberatung und -behandlung kamen, nimmt der Anteil der Frauen, die uns aufsuchen, immer mehr zu.
myBody: Äußert sich der Haarverlust bei Frauen ähnlich wie bei Männern?
Dr. Bicer: Nein, hier gibt es deutliche Unterschiede. Frauen leiden in erster Linie unter einem diffusen Verlust der Haare. Das bedeutet, die Kopfbehaarung wird insgesamt lichter und dünner und die Kopfhaut scheint durch, zu Beginn meist nur im Bereich des Scheitels. Mit Voranschreiten des Haarverlustes weitet sich dieser Bereich dann aber um den Scheitel herum immer weiter aus. Ich rate Patientinnen, bereits früh auf solche Veränderungen zu achten und eine fachärztliche Abklärung vornehmen zu lassen, um die Ursache gezielt zu identifizieren und entsprechend behandeln zu können.
myBody: Ab wann sollte eine Frau sich medizinischen Rat wegen des Haarausfalls suchen?
Dr. Bicer: Ich sag mal so, es ist zunächst einmal wichtig zu wissen, dass es ganz natürlich ist, wenn sie morgens in der Dusche oder in der Haarbürste Haare vorfinden. Sowohl Frauen als auch Männer verlieren täglich zwischen 50 und 100 Haare, das ist kein Grund zur Sorge. Erst wenn die Zahl der verlorenen Haare für einen längeren Zeitraum deutlich darüber liegt, wird von einem krankhaften Haarverlust gesprochen.
Wenn sie aber vermehrt Haare verlieren oder das Gefühl haben, dass ihr Haar lichter wird, sollten Frauen nicht zögern, einen Arzt aufzusuchen und sich beraten zu lassen. Je früher die Ursache für den Haarverlust gefunden wird, umso größer sind die Chancen und Möglichkeiten, etwas dagegen zu unternehmen. Ich empfehle, dabei auch Veränderungen über einen gewissen Zeitraum zu beobachten und dem Arzt möglichst genau zu schildern, seit wann diese bestehen.
myBody: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Haarausfall bei Frauen?
Dr. Bicer: Das kommt zunächst einmal auf die Ursache für den Haarverlust an. In manchen Fällen ist der Haarausfall auf die Einnahme bestimmter Medikamente zurückzuführen, aber auch Stress kann ein Auslöser sein.
In den allermeisten Fällen ist der Haarausfall bei Frauen und Männern allerdings erblich bedingt. Man spricht hier von androgenetischer Alopezie. Diese Form des Haarausfalls lässt sich zwar verlangsamen oder sogar vorübergehend stoppen, vollständig beseitigen lässt sie sich aber leider nicht. Umso wichtiger ist es, frühzeitig mit der Behandlung zu beginnen.
In der Anfangsphase des Haarverlustes können Kopfhautbehandlungen, wie bspw. eine PRP- oder Meso-Behandlung, in Kombination mit der Einnahme von Medikamenten zur Stärkung der Haarwurzel und der Verlangsamung des Haarausfalls beitragen. Auch eine Haarpigmentierung kann helfen, das Haar wieder voller und dichter erscheinen zu lassen. Schreitet der Haarausfall weiter fort, dann bietet eine Eigenhaartransplantation, also eine Umverteilung des Kopfhaares, die Möglichkeit, lichtere Stellen wieder aufzufüllen und eine deutliche optische Verbesserung herbeizuführen. Mein Rat bzw. Tipp an dieser Stelle lautet, die Therapie immer individuell an Ursache und Fortschritt des Haarausfalls anzupassen und frühzeitig ärztlich abklären zu lassen, welche Methode im jeweiligen Fall am sinnvollsten ist.
Dr. (Univ. Var.) Edip Rojan Bicer ist Arzt für Haartransplantationen und Unterspritzungen und seit 2023 Teil des Ärzteteams der proaesthetic in Heidelberg. Sein Schwerpunkt liegt auf haarchirurgischen Behandlungen sowie minimalinvasiven ästhetischen Verfahren wie Unterspritzungen mit Hyaluron, Botulinum und Biostimulatoren.
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