GOÄ-Rechnung für Schönheitsoperation verständlich erklärt
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GOÄ-Rechnung für Schönheits-OP verständlich erklärt So kommt der Preis für Ihre Behandlung zustande

Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 2006 müssen Schönheitsoperationen, wie jede andere ärztliche Leistung auch, nach der Gebührenordnung für Ärzte (kurz GOÄ) abgerechnet werden. Als Kassenpatient kommt man mit Arztrechnungen selten in Kontakt - darum können die Ziffern und Posten auf der Rechnung für eine Schönheitsoperation erstmal verwirrend sein. Privatpatienten kennen diese Form der Rechnung von anderen ärztlichen Leistungen. Eine Ausnahme können Kliniken darstellen, die als GmbH auftreten. "Aber auch nur, wenn diese GmbH nicht ärztlich geführt wird, da ein Arzt der Berufsordnung unterliegt und daraus resultierend seine Leistungen nach GOÄ abrechnen muss“, so Edith Kron von Kron Praxisprojekte, die Ärzte zur Abrechnung von ästhetischen Leistungen berät.

Die GOÄ ist ein Leistungskatalog, in dem jede mögliche ärztliche Leistung aufgelistet, mit einer Ziffer versehen und einem bestimmten Geldwert zugewiesen ist. Ärzte dürfen keine Pauschalpreise bewerben und auch nicht pauschal abrechnen. Patient*innen gibt diese Regelung die Möglichkeit, transparent nachzuvollziehen, wie der Rechnungsbetrag zustandekommt - sofern man die Rechnung versteht. Im Folgenden sind die einzelnen Bausteine übersichtlich dargestellt und erklärt.

Beispielrechnung nach GOÄ für eine Brustvergrößerung

Auszug aus einer Rechnung nach GOÄ
Mit freundlicher Unterstützung von Kron Praxisprojekte
GOÄ Rechnung Ziffer und Anzahl

Anzahl und Ziffer

Die Posten im GOÄ-Katalog beziehen sich grundsätzlich auf eine einmalige Leistung. Bei mehrfacher Leistungserbringung kann das über die Anzahl in der jeweiligen Spalte angepasst werden. Das Einbringen von Implantaten ist beispielsweise eine Einzelleistung, für eine Brustvergrößerung fällt sie demnach zwei Mal an. Der Posten "Drainage" bezieht sich ebenfalls auf eine einzelne Drainage - bei einer Brustvergrößerung sind in der Regel zwei nötig.

Über die Ziffer kann im GOÄ-Katalog die entsprechende Leistung ausfindig gemacht werden. Ein A hinter der Ziffer kennzeichnet, dass es sich um eine Analogabrechnung handelt. So eine analoge Berechnung erfolgt, wenn eine Leistung in der GOÄ nicht gelistet ist. Bei ästhetisch-plastischen Eingriffen ist das häufig der Fall, da die GOÄ vor über 30 Jahren in Kraft trat und bis auf kleinere Anpassungen kaum verändert wurde. Das heißt, dass der heutige Standard ästhetischer Eingriffe, die zur Entstehung der GOÄ eher eine unterordnete Rollen spielten, in der GOÄ derzeit nicht abgebildet wird. Es muss und darf daher auf Analogziffern zurückgegriffen werden. Im Beispiel wurde die Leistung 5140 als Grundlage genommen. Es handelt sich hierbei um "Röntgen, Brustorgane im Mittelformat" mit dem Einzelpreis 5,83 Euro. Röntgen und Fotografieren sind vergleichbar (in Aufwand, Art, Zeit und Kosten) und kann nach dem Analogprinzip mit dem gleichen Preis bewertet werden.

GOÄ Rechnung Leistungstext

Leistungstext und Begründung

Der Leistungstext ist mit der jeweiligen Ziffer verknüpft und nicht veränderbar. Lediglich bei Analogberechnungen wird hier nicht der Text der GOÄ-Leistung eingefügt, sondern die individuelle tatsächlich erbrachte Leistung benannt. Die Bezeichnungen in dieser Spalte sind für Laien oftmals schwer zu verstehen. Möglicherweise steht in der GOÄ mehr zum einzelnen Posten (sie ist online einsehbar) oder Ihr Arzt kann Ihnen erklären, worauf sich die Spalte in Ihrem konkreten Fall bezieht.

GOÄ Rechnung Faktor

Faktor

Der Faktor gibt meist die größten Rätsel auf, wenn Patient*innen versuchen, die Rechnung für ihre Schönheits-OP nachzuvollziehen. Anhand dieser Stellschraube erzielen Ärzte ihr Honorar. Grundsätzlich werden ärztliche Leistungen mit einem 2,3-fachen Regelsatz berechnet (technische Leistungen 1,8-fach). Je nach Zeitaufwand und Schwierigkeit des Eingriffs kann der Faktor gesteigert werden - üblicherweise bis zu einem Höchstsatz von 3,5. Wird eine Honorarvereinbarung zwischen Arzt und Patient geschlossen (das ist bei ästhetischen Eingriffen üblich), gilt dieser Höchstsatz nicht und einzelne Posten können mit einem höheren Faktor abgerechnet werden, in diesem Beispiel bis zu 6,42-fach.

GOÄ Rechnung Auslagen

Auslagen

In Paragraf 10 der GOÄ ist strikt geregelt, dass alle entstandenen Kosten (auch Mengenrabatte oder Boni) 1:1 an den Patienten weitergegeben werden müssen. Der Arzt muss die entstandenen Kosten für Material in der Rechnung ausweisen und aufschlüsseln. Versucht der Arzt, sein Honorar zu erhöhen, indem er falsche Produktpreise ausweist, gilt das als Abrechnungsbetrug. Für Patient*innen ist allerdings meist nicht nachzuvollziehen, ob der in Rechnung gestellte Preis für ein Produkt dem tatsächlichen Einkaufspreis entspricht.

Auslagen zur Rechnung über eine Brustvergrößerung

GOÄ Rechnung Auslagen
Artikelbezeichnung Preis €

Stütz-BH

150,00 €

Übernachtung Doppelzimmer:

60,00 €

Implantate, Markenqualität:

840,00 €

Vollnarkose:

250,00 €

OP-Nutzung:

490,00 €

Als abrechenbares Material gilt nur, was der Patient behält. Also Verbände, Stütz-BH, Implantate und ähnliches. Praxisbedarf wie Tupfer, Stäbchen oder Desinfektionsmittel können nicht berechnet werden. Anhand des abgebildeten Beispiels wird deutlich, dass nicht nur verwendete Materialien als Auslage gelten, sondern auch andere verauslagte Kosten, wie zum Beispiel für Übernachtung oder OP-Nutzung. Auch hier gilt, dass nur die tatsächlich entstandenen Kosten in Rechnung gestellt werden dürfen - das ist bei Posten ohne einen für Laien nachvollziehbaren "Marktwert" natürlich besonders schwer zu überprüfen.

Zahlungsweise bei Schönheitsoperationen

Viele Ärzte verlangen einen Honorarvorschuss, der noch vor der OP bezahlt werden muss. Andere splitten die Rechnungssumme in Anzahlung, Rechnung über die Implantate und Teilsummen vor und nach der OP. Die Klinik versucht durch dieses Vorgehen, die Zahlungsbereitschaft der Patient*innen sicherzustellen. Denn wenn diese bei einem unzufriedenstellenden OP-Ergebnis die Zahlung der Rechnung verweigern, ist es für die Klinik mitunter schwierig und mit großem Aufwand verbunden, die offene Summe einzufordern. Eine vorher geleistete Anzahlung müsste der Patient gerichtlich einklagen – das Vorauszahlungsmodell bietet der Klinik also eine enorme rechtliche Sicherheit, , wobei die Rechtslage diesbezüglich eher unklar ist, da es sich nicht um medizinisch notwendige Eingriffe handelt.

Praxistipp

  • Bestehen Sie auf eine detaillierte Rechnung nach GOÄ. Manche Ärzte versuchen, unzulässigerweise pauschal abzurechnen. Sie haben dann keine Möglichkeit, die Preisstruktur nachzuvollziehen.
  • Fragen Sie bei unklaren Posten und Beträgen bei der Klinik nach. Eine seriöse Rechnung muss zweifelsfrei und verständlich erklärt werden können.
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