Fettabsaugung Möglichkeiten zur Behandlung mit Eigenfett

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Gründe für einen Lipotransfer nicht nur ästhetischer Natur, sondern auch alters- oder krankheitsbedingt sind.

Dr. Oliver Kloeters

Interview mit Dr. Oliver Kloeters über das Potenzial des Lipotransfers

Das durch die Fettabsaugung entfernte Fett ist körpereigenes Gewebe. Dieses biologische Eigenfett ist hervorragend verträglich und somit für die Weiterverwendung optimal. Seit es die Liposuktion gibt, haben Ärzte mit dem Gedanken gespielt, das abgesaugte Fett an eine an Körperfett mangelnde Körperstelle zu transplantieren. Die Anfänge der Liposuktion verliefen jedoch beschwerlich und waren für die Patienten mit erheblichen Risiken verbunden. Erst 1983 erfand der französische Chirurg Dr. Illouz eine sichere Methode, Fett zu entfernen. Nur drei Jahre später fing Dr. Coleman in den USA an, eine Technik zu entwickeln, mit der Eigenfett unterspritzt werden kann. Coleman nannte sein Verfahren LipoStructure®, das noch heute angewendet wird. Der Lipotransfer ist derzeit trotzdem weitaus weniger bekannt als viele andere Methoden der Plastischen und Rekonstruktiven Chirurgie. Dennoch bietet die Eigenfetttransplantation erhebliche Vorteile und interessante Möglichkeiten. Welche das sind und andere wissenswerte Fragen zu diesem Thema beantwortet uns Dr. Oliver Kloeters, Spezialist im Bereich Fettabsaugung an der Privatklinik proaesthetic in Heidelberg.

myBody: Was ist ein Lipotransfer?

Dr. Kloeters: Ich erkläre es Ihnen gern: Der Lipotransfer ist eine Eigenfetttransplantation. Ich entnehme dabei Unterhautfettgewebe aus einem Bereich des Körpers und spritze es an anderen Stellen wieder ein. Genau genommen handelt es sich um einen autologen Lipotransfer, weil ich für die Gewebsverpflanzung zuerst in der Spenderregion körpereigenes Fett mithilfe einer Liposuktion gewinne. Für die Entnahme kommen nur die Körperregionen infrage, die über Fettdepots verfügen, das sind meistens Oberschenkel, Abdomen oder Hüften. Das Eigenfett unterspritze ich dann an verschiedenen Arealen und aus unterschiedlichen Beweggründen. Mein Ziel ist dabei, Volumen aufzubauen, sodass das Fett als biologisches Füllmaterial fungiert. Es hat aber nicht nur eine rein mechanische Füllfunktion, sondern verbessert durch die Kollagensynthese die Haut und durch die Ausschüttung von Wachstumsfaktoren die Mikrozirkulation.

myBody: Was sind denn die Anwendungsgebiete und -gründe für einen Eigenfetttransfer?

Dr. Kloeters: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Gründe für einen Lipotransfer nicht nur ästhetischer Natur, sondern auch alters-, krankheits- oder verletzungsbedingt sind. Die Behandlungsfelder sind daher sehr vielfältig und in ihrer Gänze aufwendig zu beschreiben. Grob betrachtet kommt Eigenfett als Füllmaterial und zur Korrektur der Haut zum Einsatz. Als Füllmaterial kann ich entweder größere Körperareale (Brust, Gesäß, Hüften etc.) formen oder kleine Korrekturen (z.B. Lippenaufbau oder Faltenfilling) vornehmen. Da ich mit dem Lipotransfer Konturen- und Volumenunregelmäßigkeiten beheben kann, eignet sich das Verfahren hervorragend zur Verbesserung der Haut und wird von mir bei der Behandlung von Narben eingesetzt. Ich kann sowohl Akne- als auch Verbrennungsnarben ausbessern. Auch Weichteildefizite, die durch Operationen, Traumata oder Tumore entstanden sind, kann ich mit Eigenfett ausgleichen. Darüber hinaus setze ich das Verfahren in der Genitalchirurgie und im Hals-Nasen-Ohren-Bereich ein, etwa für eine Stimmlippenvergrößerung. Besonders häufig wende ich Eigenfett in der Brustvergrößerung und -rekonstruktion an, weil es im Vergleich zu Implantaten ein natürlicheres Ergebnis ohne große Narben ermöglicht.

myBody: Welche Vorteile hat eine Eigenfetttransplantation noch?

Dr. Kloeters: Ich schätze besonders, dass Eigenfettgewebe hervorragend verträglich ist. Es löst keine Allergien aus und wird vom Körper nicht abgestoßen. Anders als bei Implantaten, die irgendwann eventuell ausgetauscht werden müssen, können wir mit Eigenfett stabile Langzeitergebnisse erzielen. Außerdem wächst das Fettgewebe dort ein, wo ich es injiziere – es "wandert" nicht. Und nicht zuletzt: Die Heilungsdauer ist meist schneller, und das Ergebnis wirkt sehr natürlich.

myBody: Für wen ist der Eingriff geeignet?

Dr. Kloeters: Ich führe den Lipotransfer bei volljährigen Patienten durch, die körperlich gesund sind und ein stabiles Gewicht haben. Bei sehr schlanken Menschen kann es schwierig sein, genug Fett für größere Korrekturen zu entnehmen, daher achte ich auf den Body-Mass-Index – bei Frauen sollte er nicht unter 23 liegen. Für eine Brustvergrößerung mit Eigenfett empfehle ich, dass es in der Familie keine Brustkrebserkrankungen gibt. Außerdem sollten Patientinnen weder schwanger noch stillend sein. Ich rate allen, vor der Operation das Rauchen einzustellen oder zumindest deutlich zu reduzieren, da Raucher häufiger Komplikationen haben. Mein Rat an dieser Stelle: Eine stabile Lebensweise und realistische Erwartungen sind wichtige Voraussetzungen, um ein gutes und nachhaltiges Ergebnis zu erzielen.

myBody: Wie läuft eine Lipotransfer-Behandlung ab?

Dr. Kloeters: Zuerst wird eine präoperative Vorbereitung vorgenommen. Dabei prüfe ich, ob der Patient für den Eingriff überhaupt infrage kommt und inwieweit seine Erwartungen mit einem Lipotransfer erfüllt werden können. Anschließend kläre ich die Patienten über die Operation auf. Sollte sich der Patient für einen Eingriff entscheiden, folgt eine körperliche Untersuchung, bei der ich mir insbesondere die zu behandelnden Körperstellen genau anschaue. Dies ermöglicht mir eine sorgfältige OP-Planung. Abschließend wird eine Fotodokumentation erstellt. Es können aber auch andere bildgebende Verfahren eingesetzt werden, wie die Mammographie oder Sonographie.

Die Operation selbst ist meist ambulant und dauert ein bis zwei Stunden. Ich markiere zunächst die Areale, aus denen ich Fett entnehme, führe die Liposuktion durch und bereite das Fett auf. Anschließend injiziere ich es mit feinen Kanülen portionsweise in die Empfängerregion. Die Operation erfolgt meist unter Dämmerschlaf mit lokaler Betäubung oder unter Vollnarkose.

Nach dem Eingriff erhalten die abgesaugten Bereiche eine Kompressionshose oder ein Mieder, auf die unterspritzten Stellen lege ich einen Watteverband. Ich empfehle, die Kompressionskleidung vier bis sechs Wochen zu tragen. In den ersten Tagen sind Schwellungen und Blutergüsse normal. Schmerzen treten meist kaum auf. Die Nachsorge dauert einige Wochen, und das endgültige Ergebnis ist nach etwa drei Monaten sichtbar.

myBody: Können bei einer Eigenfetttransplantation Komplikationen auftreten?

Dr. Kloeters: Da ich beim Lipotransfer körpereigenes Gewebe verwende und das Verfahren inzwischen sehr schonend ist, ist die Komplikationsrate vergleichsweise sehr gering. Dass es aber nach dem Eingriff zu Schwellungen und Blutergüssen kommt, ist völlig normal und zählt daher nicht zu den Komplikationen. Es können außerdem Empfindungsstörungen entstehen, die normalerweise nach maximal sechs Monaten wieder nachlassen oder verschwinden. Wie bei allen anderen Operationen sind auch hier Entzündungen, Infektionen und ein gestörter Wundheilungsprozess möglich. In diesem Fall erfolgt eine Behandlung mit Antibiotika. In sehr seltenen, extremen Fällen muss das entzündete Gewebe wieder entfernt werden.

Sollte keine ausreichende Verbindung zwischen dem zugeführten und dem vorhandenen Fettgewebe entstehen, kann es zu Kalksicheln oder Ölzysten kommen. Dies tritt vor allem bei einem hohen Injektionsvolumen auf, da es dem Körper schwerfällt, größere Fettmengen an den lokalen Blutkreislauf anzuschließen. Deshalb garantiert eine flächenförmige Verteilung des Fettgewebes ein geringeres Risiko. Ein Hinweis bzw. Tipp an dieser Stelle: Eine schonende, gleichmäßige Injektionstechnik sowie eine individuell angepasste Menge an Eigenfett tragen wesentlich dazu bei, mögliche Risiken zu minimieren.

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