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Fettabsaugen Methoden im Überblick

Geprüfte medizinische Inhalte
Prof. Dr. med. Matthias Reichenberger

Die medizinische Fettabsaugung wurde in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt. Damit ist das Fettabsaugen eine relativ junge ästhetisch-plastische Behandlungsmethode. Seit ihrer Entwicklung wurden jedoch bedeutende Fortschritte gemacht, sodass die Liposuktion inzwischen zu den häufigsten Eingriffen der plastischen Schönheitschirurgie zählt.

Methoden für Fettabsaugen im Überblick

Um auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten eingehen zu können, steht eine Reihe von Behandlungsmethoden zur Verfügung. Beliebte Bereiche der Fettabsaugung sind das Gesäß, die Reiterhosen, die Oberschenkel und der Bauch. Aber auch an den Oberarmen oder dem Doppelkinn kann Fettabsaugen sichtbare Ergebnisse erzielen.

Das Grundprinzip beim Fettabsaugen ist in der Regel bei allen Methoden gleich: An bestimmten Stellen unter der Haut werden Fettzellen mit speziellen Kanülen abgesaugt. In ihrer spezifischen Anwendung unterscheiden sich die verschiedenen Behandlungsmethoden jedoch und ermöglichen es so, auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten einzugehen.

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Dr. Matthias Wagner

Dr. Matthias Wagner

Facharzt für Ästhetische und Plastische Chirurgie

Der Clou einer erfolgreichen Fettabsaugung ist es, je nach Körperregion und Fettdepot die passende Methode zu finden.

Quelle: myBody-Expertengespräch Dr. Wagner zu "Fettabsaugung"

Basic-Methode

Die älteste Form der Fettabsaugung ist die Basic-Methode. Um eine präzise und gleichmäßige Körpermodellierung zu gewährleisten, werden die abzusaugenden Bereiche zunächst markiert. Anschließend werden an den abzusaugenden Körperstellen feine Kanülen über winzige Hautschnitte eingeführt. Diese ermöglichen eine Lockerung des Gewebes und der Fettzellen. Eine medizinische Vakuumpumpe saugt daraufhin die aufgelockerten Fettzellen ab. Abschließend werden die kleinen Schnitte vernäht oder verklebt.

Tumeszenzverfahren (TLA)

Das Tumeszenzverfahren oder auch Tumeszenz-Lokalanästhesie (kurz TLA), ist die weltweit am häufigsten eingesetzte Methode beim Fettabsaugen. Das Wort „tumescere“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „anschwellen“.

Bei der TLA wird eine sogenannte Tumeszenzlösung verwendet. Diese besteht unter anderem aus einer Kochsalzlösung und einem örtlich wirkenden Betäubungsmittel. Die Tumeszenzlösung bewirkt neben der Schmerzbetäubung auch eine Auflösung des Fettgewebes, sodass der Eingriff schonend und nahezu schmerzfrei erfolgen kann. Die entsprechenden Körperzonen schwellen durch den erzeugten Druck an und die Gefäße verengen sich zusätzlich. Die Fettzellen werden gelockert und die Blutungsneigung verringert sich. Je nach abzusaugender Menge und der zu behandelnden Körperstelle werden bis zu 6 Liter[1] der Tumeszenzlösung in das Unterfettgewebe eingebracht.

Für die Absaugkanülen setzt der Chirurg winzig kleine Hautschnitte – meist 5 bis 8 Millimeter lang[2] – die nach dem Fettabsaugen in der Regel vernäht oder verklebt werden. Da keine Vollnarkose notwendig ist, kann der Patient während des Eingriffs falls nötig aufstehen oder sich gegebenenfalls umdrehen. So hat der behandelnde Arzt einen optimalen Blick auf die Behandlungsfläche.

Supernass-Methode

Die Supernass-Methode ist größtenteils identisch mit dem Tumeszenzverfahren. Der Unterschied liegt lediglich in der Menge der injizierten Flüssigkeit. Der Name der Supernass-Methode ist etwas irreführend, weil im Gegensatz zum Tumeszenzverfahren bei der Supernass-Methode eine geringere Menge an Flüssigkeit in das Unterfettgewebe eingebracht wird. Es wird nur so viel Absaugflüssigkeit injiziert, wie Fett abgesaugt wird. Bei einer abzusaugenden Fettmenge von 2 Litern beträgt die einzubringende Flüssigkeit also auch 2 Liter.

Vibrationsassistierte Fettabsaugung (VAL)

Die vibrationsassistierte Fettabsaugung (VAL) oder auch „Power Assisted Liposuction“ (PAL) genannt, bietet sich vor allem bei empfindlichen Hauttypen und komplizierten Körperzonen wie Knie und Knöchel an, da bei dieser Methode das Gewebe mehr geschont wird als bei der klassichen Fettabsaugung.

Nach Einbringen der Tumeszenzlösung werden über kleine Hautschnitte schwingende Kanülen eingeführt. Die Schwingung beträgt etwa 6.000 Oszillationen pro Minute. Durch die Vibration wird ein schnelleres Platzen der Fettzellen als bei einer klassischen Fettabsaugung (Liposuktion) bewirkt.

Ultraschallgestützte Fettabsaugung (UAL)

Die ultraschallgestützte Fettabsaugung basiert im Wesentlichen auf der klassischen Liposuktionsmethode mittels TLA. Es werden Ultraschallsonden in das abzusaugende Areal eingeführt, die zum Platzen und Verflüssigen der Fettzellen führen. Weil das Gewebe stark erhitzt wird, kann bei dieser Methode ein zusätzlicher Straffungseffekt erzielt werden.

Tumeszenz oder UAL?

Eine Auswahl an unterschiedlichen technischen Möglichkeiten ist die Basis für einen individuellen Behandlungserfolg: Das Tumeszenzverfahren eignet sich beispielsweise für das Absaugen besonders großer Mengen an Fettzellen, während bei der ultraschallgestützten Lipsouktion (UAL) ein zusätzlicher Straffungseffekt des Gewebes erzielt werden kann.

Laserassistierte Fettabsaugung (LAL)

Eine Weiterentwicklung der ultraschallassistierten Fettabsaugung ist die laserassistierte Liposuktion (LAL). Statt Ultraschallsonden werden hier Lasersonden in das zu behandelnde Areal eingeführt. Durch die Abgabe von Laserimpulsen verschiedener Wellenlängen werden die Fettzellen verflüssigt. Geeignet ist die laserassistierte Fettabsaugung besonders für feste Körperregionen wie das Rückenareal.

Wasserstrahl-assistierte Liposuktion (WAL)

Bei der wasserstrahl-assistierten Liposuktion löst der behandelnde Arzt das Fettgewebe auf gewebeschonende Art mit einem hauchdünnen, fächerförmigen Wasserstrahl vom übrigen Gewebe. Dieser wird mit einer dünnen Kanüle über einen winzigen Zugang in die Haut geführt. Gleichzeitig wird das so gelöste Fett durch einen zweiten Zugang abgesaugt. WAL zählt zu den innovativsten Methoden der Fettabsaugung und wird vor allem bei großen Mengen zu entfernenden Fetts eingesetzt.

Bei der WAL fällt das Aufschwemmen durch große Flüssigkeitsmengen und die Verwendung einer Tumeszenslösung wie beim Tumeszensverfahren (TLA) weg. Dadurch sind die ersten Ergebnisse bereits während des Eingriffs sichtbar.[3] Der Arzt kontrolliert während der Behandlung jederzeit die natürliche Form und Kontur des Körpers und kann somit bereits während der Operation das Endergebnis sehr realistisch einschätzen. Eine Dellenbildung wird damit sicherer vermieden. Auch kleine Unebenheiten können so beseitigt werden. Zudem ist die Behandlung kleiner und problematischer Körperareale möglich.

Aufgrund der gewebeschonenden Eigenschaften ist die wasserstrahl-assistierte Methode zudem zur Eigenfettgewinnung geeignet, welches für weiter Eingriffe eingesetzt werden kann – beispielsweise für eine Brustvergrößerung mit Eigenfett. Auch bei Lipödem-Patienten wird WAL häufig eingesetzt, da große Mengen an Fett abgesaugt werden können und die Methode als äußerst gewebeschonend gilt. Welche Vorteile die WAL-Methode für Lipödem-Patienten noch hat, erklärt Dr. Till Scholz im Interview: Dr. Scholz zu "WAL - Wasserstrahl assistiertes Fettabsaugen"

Dr. med. Michael Pees

Dr. med. Michael Pees

Facharzt für Chirurgie

Eigenfett kommt als Füllmaterial und zur Korrektur der Haut zum Einsatz und kann Konturen- und Volumenunregelmäßigkeiten beheben.

Vor und nach der Fettabsaugung: Wissenswertes

Vor der eigentlichen Fettabsaugung werden im Vorgespräch bereits Ziele und Wünsche des Patienten besprochen und die zu behandelnden Körperstellen mit einem Filzstift farblich markiert. Vor der Liposuktion gilt es, das Rauchen weitestgehend einzuschränken und ca. 2 Wochen vor der OP keine blutverdünnenden Schmerzmittel zu sich zu nehmen.[4]

Damit sich die Haut nach dem Fettabsaugen wieder erholt und auf natürliche Weise zusammenzieht, wird das Tragen eines speziellen Kompressionsmieders nach dem Eingriff empfohlen. Um dem Flüssigkeitsverlust entgegenzuwirken, der in den ersten Tagen nach der Fettabsaugung völlig normal ist, sollte der Patient viel Wasser trinken. Für weitere Informationen: Vor- und Nachsorge einer Fettabsaugung

Ist das Fettabsaugen für jeden geeignet?

Grundsätzlich kann sich jeder ab einem Mindestalter von 18 Jahren einer Fettabsaugung unterziehen. Die finale Entscheidung liegt allerdings beim Arzt. Es gibt Erkrankungen, die gegen das Fettabsaugen sprechen können. Oft ist es die Beschaffenheit des Gewebes, die ein limitierender Faktor sein kann.

Welche Methode der Fettabsaugung eignet sich für welche Zone?

Grundsätzlich wird im Vorgespräch mit dem jeweiligen Arzt über das geeignete Liposuktionsverfahren entschieden. Dabei werden die Zielvorstellungen des Patienten, die physischen Voraussetzungen sowie die Menge an Fett, die abgesaugt werden soll, berücksichtigt. Allgemein kann gesagt werden, dass sich beispielsweise das Tumeszenzverfahren sowie die wasserstrahl-assistierte Liposuktion für umfangreichere Fettabsaugungen eignet. Für kleinere Eingriffe – insbesondere an komplexen Körperregionen wie beispielsweise dem Knie – eignet sich die vibrationsassistierte Fettabsaugung. Hierbei wird das Gewebe im Gegensatz zu anderen Methoden besonders geschont. Soll die Haut nach der Liposuktion zusätzlich gestrafft werden, entscheiden sich viele Patienten in dem Fall für eine ultraschallgestützte Lipsouktion. Eine laserassistierte Fettabsaugung wird oft dann empfohlen, wenn das abzusaugende Körperareal besonders fest ist, was beispielsweise am Rücken der Fall ist. Wer insbesondere Fett an den Beinen loswerden will, findet hier weitere Informationen: Oberschenkel-Fettabsaugung: Infos, Kosten und Ärzte

Leidet der Patient unter einem Lipödem (einer chronischen Fettverteilungsstörung) wird häufig die wasserstrahl-assistierte Liposuktion gewählt, da diese nicht nur besonders gewebeschonend ist, sondern außerdem das Absaugen größerer Fettmengen ermöglicht.

Eignet sich Fettabsaugen bei Übergewicht?

Eine Fettabsaugung ersetzt keine Diät, ist somit nicht bei Übergewicht geeignet und dient auch nicht der Gewichtsreduktion. Insgesamt kann das Fettabsaugen die Problemzonen verkleinern und eine harmonischere Silhouette schaffen.

Fettabsaugen ist dann sinnvoll, wenn sich trotz Sport und gesunder Ernährung die Fettpolster hartnäckig halten oder sich aufgrund einer Störung der Fettverteilung, wie bei Lipödem, nicht beseitigen lassen.

Wird nach einer Fettabsaugung vermehrt Fettgewebe an anderen Stellen angelagert?

Bei gleichbleibenden Ess- und Lebensgewohnheiten nicht. Bei vermehrter hochkalorischer Nahrungsaufnahme kann es jedoch sein, dass sich der Körper neue Areale zur Fettspeicherung sucht. Für einen langfristigen Erfolg ist es deshalb wichtig, Gewichtsschwankungen zu vermeiden.

Was passiert mit der überschüssigen Haut?

Die Haut verfügt von Natur aus über eine hohe Rückbildungsfähigkeit. Bei der Liposuktion verhält sich die Haut anders als bei einer Diät. Sie bildet sich aufgrund der wundheilungsbedingten Narbe im Unterhautgewebe von alleine zurück. Zur Unterstützung muss lediglich für die Dauer von 1 bis 4 Wochen ein Mieder getragen werden.

Ist die Fettabsaugung eine geeignete Maßnahme gegen Cellulite?

Ein positiver Nebeneffekt der Fettabsaugung ist, dass die lästige Cellulite durch das Absaugen der Fettzellen deutlich reduziert wird. Allerdings können die ungeliebten Dellen durch eine Fettabsaugung nicht im vollen Umfang entfernt werden.

Wann darf ich nach einer Fettabsaugung wieder Sport machen?

Nach etwa 3 Wochen ist es möglich, kleinere Sportaktivitäten wieder aufzunehmen. Schwimmen ist eine empfohlene Option, um auf schonende Weise wieder in Form zu kommen. Die Wiederaufnahme der gewohnten Sportarten wird erst nach etwa 6 Wochen empfohlen. Viele Ärzte raten auch zu gezieltem Muskelaufbautraining, um das Ergebnis der Fettabsaugung abzurunden und den Körper gezielt zu formen.

Ab wann kann das Ergebnis der Fettabsaugung endgültig beurteilt werden?

Erste Ergebnisse sind nach etwa 2 Tagen sichtbar. Bis die letzten Gewebeschwellungen im Zuge des Heilungsprozesses abgeklungen sind dauert es etwa 4 bis 6 Wochen. Nach ungefähr 6 Monaten lässt sich dann endgültig beurteilen, inwieweit sich alle ästhetischen Erwartungen erfüllt haben.[5]

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Quellennachweis

1. Berufsverband Deutscher Anästhesisten: www.bda.de/docman/alle-dokumente-fuer-suchindex/oeffentlich/empfehlungen/570-tumeszenz-lokalanaesthesie/file.html (zuletzt abgerufen am 25.04.2024)
2. Lipödem-Portal: www.lipoedemportal.de/liposuktion-methoden.htm (zuletzt abgerufen am 03.05.2024)
3. Dissertation von A Z Taufig (2003) Entwicklung einer neuen Methode zur kontrollierten Fettabsaugung: www.stadtklinik-koeln.de/wp-content/uploads/2019/09/01_taufig_2003_entwicklung_einer_neuen_methode_zur_kontrollierten_fettabsaugung_dissertation.pdf (zuletzt abgerufen am 07.05.2024)
4. Praxisklinik Vitalitas: www.vitalitas.de/fettabsaugung.html (zuletzt abgerufen am 30.04.2024)
5. Die Ästheten – Plastische Chirurgie Dr. Rösken: www.aestheten.de/fettabsaugung/ (zuletzt abgerufen am 07.05.2024)

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