Fettabsaugung gegen Cellulite Ist das möglich?

Es gibt inzwischen Liposuktionsverfahren, mit denen ich die Haut beim Absaugen gleichzeitig straffen kann.

Priv.-Doz. Dr. med. Oliver Kloeters
schöne weibliche Beine

Cellulite ist bei Frauen ein stark verbreiteter Schönheitsfehler. Im Kampf gegen die unschönen Dellen sind viele bereit Geld in teure Wundermittel zu investieren. Diese versprechen zwar eine schnelle Abhilfe, sind aber meistens ihr Geld nicht wert, da die Wirkung oft ausbleibt. Wenn Sie den Kampf gegen die Cellulite nur ansatzweise gewinnen wollen, erfordert es viel Disziplin, Willenskraft und Zeit. Viel Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, Wechselbäder und Bürstenmassagen können die dellige Orangenhaut etwas glätten. Doch bei Körperstellen mit resistenten Fettpolstern hilft selbst das nicht. Gegen die lästigen Fettdepots hilft dann nur eine Fettabsaugung. Doch verschwindet mit dem Eingriff auch die Cellulite? Und mit welchen Methoden wird die Cellulite in der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie behandelt? Dr. Oliver Kloeters, Experte auf dem Gebiet der Fettabsaugung und ärztlicher Direktor der proaesthetic in Heidelberg, beantwortet uns im Gespräch diese sowie andere grundlegende Fragen zum Thema „Cellulite“.

Interview mit dem Experten Dr. med. Oliver Kloeters über Fettabsaugung und Cellulite

myBody: Dr. Kloeters, was ist Cellulite?

Dr. Kloeters: Cellulite ist eine typisch weibliche Hautauffälligkeit, unter der fast 90 Prozent der Frauen leiden. Sie ist auf ein schwaches Bindegewebe zurückzuführen und in den meisten Fällen erblich bedingt. Aus meiner Erfahrung zeigt sie sich durch grobe Unebenheiten und Dellen, die an eine Orange erinnern und daher im Volksmund als Orangenhaut bezeichnet werden. Betroffen sind vor allem Körperstellen wie Oberschenkel, Po, Hüften und der Bauch.

myBody: Wie entsteht Cellulite?

Dr. Kloeters: Die Kollagenfasern des Bindegewebes, auch Septen genannt, sind bei Frauen anders als bei Männern – und genau das ist die Ursache für die Entstehung von Cellulite. Ich erkläre meinen Patientinnen, dass das Kollagengeflecht bei Männern netzartig und engmaschig angeordnet ist, während es bei Frauen lückenhaft und parallel verläuft. Darüber hinaus sind die Fasern bei Frauen deutlich weicher und elastischer, damit sich die Haut während der Schwangerschaft leichter dehnen kann und nicht reißt.

Dies führt jedoch auch dazu, dass sich die Fettzellen durch das Bindegewebe an die Hautoberfläche drücken und sich Dellen abzeichnen. Dieser Vorgang tritt bei fast jeder Frau ab einem gewissen Alter auf, da er hormonell bedingt ist. Mein Rat ist daher, Cellulite als ein ganz normales, anatomisch und hormonell bedingtes Phänomen zu verstehen, das sich je nach Ausprägung unterschiedlich stark zeigt.

myBody: Hilft eine Fettabsaugung gleichzeitig gegen Cellulite?

Dr. Kloeters: Eine klassische Liposuktion wird in der Regel nicht zur Behandlung von Cellulite eingesetzt, sie kann aber eine Cellulite deutlich mindern, da durch die Entfernung der Fettzellen der Druck auf die Unterhaut und das Bindegewebe abnimmt. Zusätzlich sorgt eine Fettabsaugung für eine bessere Durchblutung der Haut, sodass sie viel straffer und glatter wirkt. Diese Effekte beobachte ich in der Praxis jedoch nicht in jedem Fall. Deshalb gibt es in der Ästhetischen und Plastischen Chirurgie andere, neuartige Methoden, die die Cellulite erfolgreich behandeln können.

myBody: Was für neuartige Methoden sind das?

Dr. Kloeters: Lassen Sie mich das kurz so erklären: Es gibt inzwischen Liposuktionsverfahren, die beim Absaugen die Haut gleichzeitig straffen können. Dies ist beispielsweise bei der radiofrequenzbasierten Fettabsaugung möglich. Sie kurbelt die Kollagenausschüttung an und produziert während der Liposuktion Wärme, welche einen straffenden Effekt hat.

Es gibt aber auch ultraschall-assistierte Techniken, die eine Glättung erzielen können, wie die von der US-amerikanischen Firma VASER. Bei dieser Methode kann die ultraschall-basierte Fettabsaugung mit einer Cellulite-Behandlung kombiniert werden. Bei der Entfernung von Cellulite werden die Bindegewebefasern mit einer Spezialsonde durchtrennt, sodass eine Entspannung der Haut erreicht wird. Mein Tipp an dieser Stelle: Die Wahl der geeigneten Methode sollte immer individuell anhand der Ausgangssituation und der persönlichen Ziele getroffen werden.

myBody: Und gibt es auch nicht-operative Alternativen zur Bekämpfung von Orangenhaut?

Dr. Kloeters: Allerdings. Es existieren sehr viele Verfahren, die vielversprechend klingen, aber in ihrer Wirkung nicht sichtbar oder nachhaltig sind. In der Ästhetischen Medizin arbeite ich erfolgreich mit Radiofrequenzgeräten, die – ähnlich wie bei der radiofrequenz-assistierten Liposuktion – durch Erwärmung die Dellen ebnen können. Dabei werden mithilfe des bipolaren Stroms die Kollagenfasern verkürzt und gleichzeitig die Bildung neuen Kollagens angeregt. Zusätzlich wird der Druck auf die Fettzellen reduziert, die häufig in hartnäckigen Problemzonen aufgebläht sind, sodass sie nicht verstoffwechselt werden können. Eine Radiofrequenzbehandlung kurbelt somit auch den Stoffwechsel im behandelten Areal an.

Eine weitere, revolutionäre Behandlung gegen Cellulite ist die Unterspritzung mit dem Biostimulator Sculptra®, der zumeist in der Faltentherapie eingesetzt wird. Dieses Präparat regt die körpereigene Produktion von neuem Kollagen an, sodass die Haut nach dem Eingriff wieder frisch und jung aussieht. Gleichzeitig werden die Elastizität, Dichte und Festigkeit des Gewebes verbessert.

myBody: Wie genau funktioniert Sculptra® bei der Behandlung von Cellulite?

Dr. Kloeters: Dadurch, dass Sculptra® die Kollagenneubildung anregt, entsteht eine Volumenzunahme, die Falten, Narben oder im Fall der Cellulite Dellen auffüllt und die Haut viel homogener erscheinen lässt. Bei der Behandlung von Cellulite injiziere ich Sculptra® in die Dellen und massiere die Areale je nach Größe der Täler anschließend für eine bessere Verteilung des Wirkstoffs ein. Auch nach der Behandlung empfehle ich, die Stellen für ein paar Tage regelmäßig zu massieren.

Ein großer Vorteil von Sculptra® ist die langanhaltende Wirkung, die mindestens zwei Jahre andauert. Außerdem müssen Sie nach der Sitzung auf nichts achten und können sogar gleich danach Sport machen. Jedoch benötigt es ein paar Wochen Zeit, bis sich das Gewebe aufbaut. Nach sechs bis acht Wochen kann die Behandlung wiederholt werden. Mehr als zwei Behandlungen werden in der Regel aber nicht benötigt.

myBody: Dr. Kloeters, vielen Dank für das aufschlussreiche und interessante Gespräch!

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