Die Fett-weg-Spritze Eine schonende, nicht-operative Methode gegen Fettpölsterchen
Ein klarer Vorteil der Injektionslipolyse ist aus meiner Sicht, dass sich Fettzellen effektiv und ohne operativen Eingriff auflösen lassen.
Priv.-Doz. Dr. med. Oliver Kloeters
Sie machen Sport, ernähren sich gesund und die Fettpölsterchen bleiben einfach an bestimmten Körperstellen – als hätten sie mit Ihnen den ewigen Bund der Ehe geschlossen. Es handelt sich dabei um resistentes Fettgewebe, das mit keinem Sportprogramm und keiner Diät der Welt weichen wird. Diese hartnäckigen Problemzonen werden in der Ästhetischen Medizin schon seit längerem operativ behandelt. Doch es gibt mittlerweile minimalinvasive Methoden wie die Fett-weg-Spritze, mit der die Fettpolster einfach weggespritzt werden können. Doch wie genau funktioniert dieses innovative Verfahren? Welche Möglichkeiten bietet es und ist es auch so schonend, wie behauptet wird? Auf diese Fragen und auf viele weitere antwortet uns Dr. Oliver Kloeters – ärztlicher Direktor der proaesthetic Heidelberg und Spezialist auf dem Gebiet der Fettabsaugung.
Interview mit dem Experten Dr. med. Oliver Kloeters über die Fett-weg-Spritze
myBody: Herr Dr. Kloeters, was ist eine Fett-weg-Spritze?
Dr. Kloeters: Die Fett-weg-Spritze – auch Injektionslipolyse genannt – ist eine minimalinvasive Behandlung, mit der sport- und diätresistente Fettpolster kleiner bis mittelgroßer Problemzonen beseitigt werden. Dabei wird ein spezielles Mittel direkt in das Fettgewebe injiziert, das den körpereigenen Fettabbau an der behandelten Stelle anregt. So lassen sich Körperkonturen modellieren und straffen, ohne dass ein operativer Eingriff oder aufwendige Vor- und Nachbehandlungen notwendig sind – eine Methode, die ich gezielt für geeignete Patientinnen und Patienten einsetze.
myBody: Das klingt sehr interessant! Wie genau funktioniert die Fett-weg-Spritze?
Dr. Kloeters: Ich erkläre Ihnen gerne, wie die Fett-weg-Spritze funktioniert: Bei der Injektionslipolyse wird der aus der Sojabohne stammende Wirkstoff Phosphatidylcholin in die unerwünschten Fettdepots gespritzt, wodurch sie verkleinert werden. Dabei verwandelt Phosphatidylcholin das Fett in kleine Moleküle und bindet sie an sich. Anschließend werden die Moleküle über das Blut zur Leber transportiert und dort dann abgebaut. Ein kleiner Tipp meinerseits: Man kann sich den Prozess so vorstellen, als würden die Fettzellen vor Ort „aufgelöst“ und anschließend über den natürlichen Stoffwechsel des Körpers abtransportiert.
myBody: Für wen eignet sich die Fett-weg-Spritze?
Dr. Kloeters: An sich ist die Injektionslipolyse für jeden geeignet, der unliebsame, bis zu handtellergroße, Problemzonen loswerden möchte. Sie ist aber nicht für Übergewichtige gedacht, die ihre Pfunde damit verlieren möchten. Dafür gibt es andere Verfahren, wie die Magenraumverkleinerung. Darüber hinaus ist die Fett-weg-Spritze nicht zu empfehlen, wenn Sie Diabetes oder eine Allergie gegen Soja haben; aber auch dann nicht, wenn Sie schwanger sind oder stillen.
myBody: Und welche Problemzonen lassen sich mit ihr behandeln?
Dr. Kloeters: Wie bereits erwähnt, lassen sich mit der Fett-weg-Spritze kleine, handtellergroße Problemzonen sehr gut beseitigen. Zu solchen Problemzonen gehören z. B. das Doppelkinn, die typischen Hamsterbäckchen oder Marionettenfalten. Im Gesichts-, Hals- oder Dekolleté-Bereich können fast alle Areale mit der Injektionslipolyse behandelt werden, da sie nicht groß sind. Darüber hinaus setze ich die Fett-weg-Spritze auch bei einer Gynäkomastie (größere Brust bei Männern) ein. Ebenso eignet sich die Lipolyse zur Behandlung von Winkearmen, Taillenspeck (Love Handles), Reiterhosen, Fettpolstern an Knien, Waden, Po sowie am Rücken.
myBody: Dr. Kloeters, können Sie uns die Vor- und Nachteile einer Fett-weg-Spritze nennen?
Dr. Kloeters: Ein klarer Vorteil der Injektionslipolyse ist für mich, dass sich Fettzellen effektiv und ohne operativen Eingriff auflösen lassen. Dadurch ist die Behandlung kostengünstig, für den Körper schonend und birgt fast gar keine Risiken. Mittlerweile gibt es sogar Wirkstoffe, die Nebenwirkungen wie Schwellungen oder Rötungen stark minimieren. Außerdem hinterlassen Injektionen keine Narben und es entstehen auch keine langen Ausfallzeiten, was für Berufstätige relevant ist.
Da sich die Fettzellen auf natürliche Art und Weise auflösen, hinterlässt die Fett-weg-Spritze weder Dellen noch Unebenheiten und strafft zusätzlich die Haut, sodass das Ergebnis sehr harmonisch und gleichmäßig aussieht. Der aus der Natur stammende Wirkstoff Phosphatidylcholin macht die Fett-weg-Spritze besonders verträglich.
Nicht zu vergessen ist der dauerhafte Effekt. Sobald die Fettzellen zerstört sind, wachsen sie nicht mehr nach und hartnäckige, sportresistente Fettpolster können nachhaltig verkleinert werden.
Auch wenn nur kleinere Stellen damit behandelt werden, ist eine Umfangminderung von mehreren Zentimetern möglich. Die Taille wirkt sofort schlanker und schön proportioniert.
Die Fett-weg-Spritze hat nur zwei Nachteile: Mit ihr ist es nicht möglich, an Gewicht zu verlieren und große Fettmengen zu entfernen.
myBody: Ist die Fett-weg-Spritze eine Technik der Fettabsaugung?
Dr. Kloeters: Nein, die Fett-weg-Spritze ist keine Fettabsaugung, da der Fettabbau innerhalb des Körpers stattfindet und das Fettgewebe nicht mithilfe von Kanülen herausgesaugt wird. Ich nutze diese Methode jedoch ebenfalls zur Fettreduktion, ähnlich wie bei der Liposuktion.
Mein Rat bzw. Hinweis an dieser Stelle: Es handelt sich um zwei unterschiedliche Verfahren mit verschiedenen Wirkmechanismen – die Fett-weg-Spritze arbeitet von innen über den Stoffwechsel, während bei der Fettabsaugung das Fett direkt mechanisch entfernt wird.
myBody: Inwieweit unterscheidet sich die Fett-weg-Spritze von der Fettabsaugung?
Dr. Kloeters: Bei der Injektionslipolyse ist kein operativer Eingriff erforderlich. Ich setze sie jedoch nur bei kleineren, handtellergroßen Problemzonen ein. Mit ihr können z. B. flache Fettpolster, wie etwa bei der Cellulite, oder Fettgewebe im Gesicht gleichmäßig behandelt werden.
Die Liposuktion wird wiederum bei größeren Eingriffen durchgeführt und bietet mehr Anwendungsmöglichkeiten. Mit ihr werden beispielsweise größere Modellierungen der Körperkonturen vorgenommen und größere Fettmengen entfernt.
myBody: Nun zur Behandlung. Wie läuft eine Behandlung mit der Injektionslipolyse ab?
Dr. Kloeters: Vor der eigentlichen Behandlung erfolgt ein ausführliches Beratungsgespräch, in dem ich die Wünsche und Vorstellungen des Patienten bespreche. Am Tag des Eingriffs markiere ich mit einem Stift die zu behandelnden Körperstellen und führe nach Wunsch eine lokale Betäubung durch. Anschließend wird der Wirkstoff gleichmäßig mit einem Multi-Injektor, einer speziellen Spritze mit mehreren Nadeln, die ein gleichzeitiges Einstechen ermöglicht, in das markierte Areal eingebracht. Die Behandlung benötigt wenig Zeit und dauert nur 15–45 Minuten.
myBody: Ist das Ergebnis sofort nach der Behandlung sichtbar?
Dr. Kloeters: Nein, Sie müssen sich etwa sechs Wochen gedulden, bis die Fett-weg-Spritze ihre volle Wirkung entfaltet. Je nach gewünschtem Ergebnis kann die Behandlung wiederholt werden. Für gewöhnlich werden zwei bis drei Sitzungen benötigt, manchmal reicht aber auch nur eine aus. Ich empfehle, circa acht Wochen zu warten, bevor eine weitere Injektionslipolyse durchgeführt wird, damit sich das Gewebe vollständig erholen und das Ergebnis der vorherigen Sitzung zuverlässig beurteilt werden kann.
myBody: Treten nach der Behandlung mit der Fett-weg-Spritze irgendwelche Nebenwirkungen oder Komplikationen auf?
Dr. Kloeters: Die Fett-weg-Spritze ist ein sehr risikoarmer Eingriff, dennoch kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen und Nebenwirkungen kommen. Ich informiere meine Patientinnen und Patienten darüber, dass beispielsweise ein sehr geringes Risiko für Infektionen besteht.
Wie bei jeder Injektion kommt es zu leichten Blutergüssen durch die Einstiche. Auch Rötungen, Juckreiz, Druckschmerzen oder Schwellungen sind völlig normal und kein Grund zur Sorge. Diese Nebenwirkungen sind sogar ein gutes Zeichen, da sich so die Wirkung der Lipolyse äußert. Bis die Beschwerden verschwinden, können sie unter anderem mit einer Betäubungscreme gelindert werden.
Manche Patienten berichten auch von einem Sojageschmack im Mund, der nach wenigen Tagen wieder abklingt. Dieser wirkt sich aber in keinerlei Weise auf die Gesundheit aus.
myBody: Herr Dr. Kloeters, vielen Dank für das ausführliche Gespräch!
Priv.-Doz. Dr. med. Oliver Kloeters ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie mit der Zusatzbezeichnung Handchirurgie. Seit 2020 ist er Teil des Ärzteteams der proaesthetic in Heidelberg. Seine fachlichen Schwerpunkte bilden Facelifts, Liposuktionen sowie brustchirurgische Eingriffe.
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