Hyaluron-Pen
Der neue Hype im Kosmetikstudio
Vollere Lippen, gemilderte Nasolabial- oder Zornesfalten, mehr Volumen im Mittelgesicht. Zur Erfüllung dieser Wünsche musste man sich bis vor Kurzem einer Unterspritzung unterziehen. Dabei war es egal, welche Technik angewendet wurde, ein paar Pikser waren immer notwendig, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Und das hielt in der Vergangenheit doch so manche potenzielle Aspirantin davon ab, Beauty- Treatments dieser Art bei sich durchführen zu lassen.
Hyaluron-Pen - Applikation mit hohem Druck
Seit Kurzem wird nun eine nadelfreie Technologie in vielen Kosmetikstudios beworben, der sogenannte Hyaluron-Pen. Inzwischen bieten diverse Hersteller diese Pens an, sowohl aus Deutschland als auch aus asiatischen Ländern, allen voran China. Das Wirkprinzip ist jedoch bei allen Modellen einheitlich – hoher Druck. Im hinteren Teil des Pens befindet sich dazu eine starke Feder, die vor der Behandlung gespannt wird. Am vorderen Ende des Pens kann die Mengenabgabe und bei einem Gerät mittels einer Sperrvorrichtung nach Angaben des Herstellers auch die Eindringtiefe gesteuert werden. Die einzuschießende Hyaluronsäure wird in eine kleine Kammer an der Spitze des Pens gefüllt. Mit 800 km/h wird dann unvernetztes oder quervernetztes Hyaluron an der gewünschten Stelle in die Haut geschossen. Die hohe Geschwindigkeit sorgt dafür, dass die Hautbarriere überwunden und auch ohne Nadel durchdrungen werden kann. Trotzdem haben manche Pens an der Spitze zusätzlich eine kleine Nadel integriert. Je nach gewünschtem Korrekturgrad werden an einer Stelle ein oder mehrere Schüsse abgegeben. Nahezu alle Pens sind Multischussmodelle, das heißt, es können mehrere nadelfreie Injektionen mit der einmal gespannten Feder durchgeführt werden.
Für die Applikation selbst wird der Pen senkrecht an der gewünschten Stelle auf die Haut aufgesetzt. Durch Drücken des Knopfes am hinteren Ende des Pens löst der Mechanismus aus und eine Portion des Hyalurons wird in die Haut geschossen.
Die Behandlungszonen sind teilweise mit denen klassischer Unterspritzungsbereiche identisch. Es werden also Volumenbehandlungen im Lippenbereich ebenso angeboten wie ein Auffüllen der Nasolabialfalten oder eine Korrektur der Zornesfalte. Wie lange das Ergebnis anhält, ist dabei von vielen Faktoren abhängig. Dazu gehören natürlich die Qualität der eingesetzten Produkte und speziell der verwendeten Hyaluronsäure, aber auch die eingesetzte Menge, die Applikationstiefe und die Frage, ob vernetzte oder unvernetzte Hyaluronsäure eingeschossen wird.
Ist das Ende der Nadel gekommen?
In der Natur der Pen-Anwendung liegt ein Mangel an Präzision ebenso wie eine nur eingeschränkte Behandlungsmöglichkeit der vielfältigen Probleme des alternden Gesichts. Glaubt man den Angaben der Hersteller, verteilt sich die eingeschossene Hyaluronsäure in kleinen Depots in der oberflächlichen Hautschicht. Wie die Verteilung tatsächlich stattfindet, lässt sich jedoch kaum steuern. Wer bereits einmal eine klassische Unterspritzungsbehandlung genossen hat, weiß jedoch, dass gerade bei feinen Defiziten oder Korrekturen im Lippenbereich kleinste Produktmengen an der richtigen Stelle sehr exakt und in der richtigen Schicht platziert werden müssen, um ein wirklich natürliches und gutes Ergebnis zu erreichen. Gerade die Lippenkontur, der Aufbau des Philtrums oder die Behandlung des Nasendreiecks sind daher für eine Behandlung mit dem Pen ungeeignet. Während bei einer klassischen Unterspritzung die Nadel exakt platziert und die Produktabgabe und Injektionstiefe genauestens gesteuert werden kann, hat der Behandler mit dem Pen wenig Möglichkeiten zur Variation. Denn auch wenn die Geschwindigkeit, mit der das Hyaluron eingeschossen wird, immer gleich sein mag, ist der Gewebewiderstand nicht in jedem Behandlungsareal und in jeder Haut gleich. Das mag dazu führen, dass Material unabsichtlich zu hoch oder zu tief appliziert wird und anatomische Strukturen wie Gefäße verletzt werden. Auch ein echter Volumenaufbau, wie er z. B. im Wangen- oder Kinnbereich mit größeren Mengen an stark quervernetztem und hochviskösem Hyaluron durchgeführt wird, kann mit dem Pen nicht erzielt werden.
Die Pen-Anwendung ist trotz der meist fehlenden Nadel nicht ungefährlich. Schwellungen, Hämatome und Behandlungsschmerz sind daher entgegen anderslautender Werbeanpreisungen bei Pen-Behandlungen nicht ungewöhnlich. Ob bei einer Pen-Anwendung ein Gefäß durch das eingeschossene Hyaluron verschlossen werden kann, ist derzeit noch unklar.
Behandlung durch medizinische Laien
Die überwiegende Zahl der aktuellen Anbieter von Hyaluron-Pen-Anwendungen sind Kosmetiker*innen. Da das Hyaluron nicht im klassischen Sinne injiziert wird, war zunächst unklar, ob diese Behandlungsform einem Erlaubnisvorbehalt nach dem Heilpraktikergesetz unterliegt. In der Zwischenzeit haben sich die Gesundheitsämter einzelner Länder diesbezüglich geäußert. So sehen Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein in der Anwendung des Pens eine erlaubnispflichtige Ausübung der Heilkunde und stellen diese Methode einer klassischen Unterspritzung mit der Nadel gleich. Das bedeutet, dass in diesen Bundesländern ein Behandlungsverbot für Kosmetiker*innen besteht.
Die Behörden berufen sich dabei auf die Grundsätze, die das Bundesverwaltungsgericht und der Bundesgerichtshof seit den 1960er-Jahren für die Einordnung von Verfahren an der Grenze zwischen Medizin und Kosmetik entwickelt haben. Dabei wird untersucht, ob eine Methode medizinische oder ärztliche Fachkenntnisse voraussetzt und ob durch deren Anwendung nicht unerhebliche Gesundheitsrisiken für den Behandelten bestehen könnten. In Bezug auf die erforderlichen Fachkenntnisse werden für die Hyaluron-Pen-Behandlung u. a. Know-how in den Bereichen der Anatomie, Pathophysiologie, Hygiene und Pharmakologie genannt. Bei den befürchteten Gesundheitsrisiken werden Mikroblutungen, andere Gewebeschäden und Schwellungen aufgeführt. Zusätzlich wird argumentiert, dass es Kontraindikationen für die Behandlung gebe, die nur durch Personen mit entsprechenden medizinischen Kenntnissen erkannt werden können.
Ob Ärzt*innen sich für diese Methode der Behandlung begeistern können, ist unklar. Letztlich sind die Methoden und Techniken sowie die Materialien, die heute für Unterspritzungen verwendet werden, so ausgeklügelt, dass auf Patientenseite keine Wünsche offenbleiben dürften. Viele Fillerprodukte haben zudem ein integriertes Betäubungsmittel oder es stehen sehr gut wirksame, lokal aufzutragende Betäubungssalben zur Verfügung. Da das Ergebnis bei qualitativ hochwertigen Fillerprodukten in der Regel zwischen 6–9 Monate anhält, beschränkt sich die Behandlungszeit auf wenige Minuten pro Jahr. Das ist in der Regel auch für Nadelphobiker erträglich, wenn der Wunsch nach einer Behandlung nur groß genug ist. Der Markt für den Hyaluron-Pen im medizinischen Umfeld scheint daher, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, überschaubar zu sein.
Dieser Artikel ist in mabelle 4/19 erschienen
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